Archives for posts with tag: Tradition

Following the local customs and laws in the middle east, even western fashion brands appear to react when offering special cuts of clothing that follow the islamic laws of the Sharia. Even so, the countries with the longest ongoing development of foreign investment and influx of tourism, have the highest felt percentage of people ignoring these laws in daily life. This leads to people wearing super tight hot-pants or spaghetti/tank-tops in public places like shopping-malls. I wonder, why some people have little respect for this.

Just as a theoretical practice for thought. Why don’t people allow teachers [with islamic background] in europe to wear their traditional headscarf at school? I guess, because they are afraid, that the cultural practice behind this is not european and it could lead to the “wrong” role-model for the children. Even though I can understand this way of thinking, I ask myself, what is the difference being here in the arab states? Not much really. People don’t want to have other people walking around with too much skin exposed. They are afraid that the cultural practice behind this is not arab and it could also lead to the wrong role-model for children (not to mention the other reasons described in Islam). Both perspectives are based on the same ground and should be respected. Actually I can understand both perspectives, but how can we find solutions that allow all the different cultures to live next to each other?

In countries that depend on a substantial expatriate workforce, this seems to be quite a challenging task. If you add tourism as one of the major streams of revenue, like in the emirate of Dubai, this task becomes even more challenging with the availability of countless public beaches. At the beaches you can find people wearing everything from brazilian cut bikinis to full-body Abayas or male board shorts covering the legs over the knees. I did not have the impression that anyone was annoyed by anyone else on the beach, regardless the attire. Thus, people seem to be able to tolerate one another. The question remains, when do politicians worldwide realize, that some of their people actually are open-minded? I leave it up to you to answer that question, which is not always well below the knee…

Wie angekündigt, teile ich jetzt meine Reflektionen über das vergangene Feiertagswochenende. Zunächst kann ich feststellen, dass sich mein Schlafrhythmus in den letzten Tagen des Ramadans nochmals drastisch nach hinten verlagert hat. Neben dem Besuch der Moschee in der 27. Nacht möchte ich insbesondere die Nacht des letzten Tages auf den Eid Feiertag hervorheben. Da habe ich garnicht geschlafen. Zum einen lag das an diversen sozialen Aktivitäten, zum anderen am frühmorgendlichen Eid Gebet um 5:20 Uhr. Auch diese Mal habe ich Freunde begleitet. Das Eidgebet wird traditionell unter freiem Himmel gebetet, in unserem Fall gingen wir in ein Fußballstadion dessen perfekt gepflegter Rasen hunderten Gläubigen Platz bot. Neben dem Ende des Ramadan markiert dieses Gebet den Beginn des Eid, im Volksmund auch Zuckerfest genannt. Dazu werden ähnlich zur Weihnachtszeit Unmengen von Essen gekauft, und die aufwändigsten und tollsten Gerichte Zubereitet, die die Familien beherrschen.

Neben dem Einkauf von Essen kaufen die Menschen neue Kleider, Möbel und auch Autos für den Feiertag und der Gang zum Frisör scheint mir beinahe obligatorisch. Der beobachtete Andrang war derart groß, dass die Frisöre keine Zeit hatten, zwischen den Kunden die geschnittenen Haare aufzukehren.

Mit Eid feiern die Muslime weltweit die Rückkehr zu Speis und Trank tagsüber und danken für die Kraft, den Ramadan erleben und überstehen zu dürfen. Nach meinem persönlichen Eindruck hat die Belastung durch Dehydrierung und Arbeit trotz Nahrungsverzicht in den letzten Tagen für die Mehrheit meiner Kontakte zugenommen. Öfter denn je hörte ich die Worte Kopfschmerzen, trockener Mund und große Müdigkeit. Die Stimmung jedoch war positiv und trotzdem empfand ich viele Menschen als viel geduldiger und zuvorkommender als sonst. Auch wenn im Geschäftsbereich Fehler passierten, waren diese nach der Fastenfrage schnell verziehen.

Da es mehrere freie Tage für die große Mehrheit der Angestellten gibt, wird der Anlass genutzt, um noch einmal vermehrt Freunde zu treffen und auszugehen. Da das Feiern nicht mehr sanktioniert wird, werden Feste veranstaltet und ausgelassen konsumiert bevor seit heute für viele wieder die regulären Arbeitszeiten gelten. Einige Firmen und die Regierung spendieren ihren Angestellten allerdings ein bis zu zwei Wochen Ferien.

Nun versucht fast Jeder sich wieder an den alten Rhythmus zu gewöhnen. Manche träumen aber noch dem Ramadan hinterher, der Besonnenheit und der vielen besonderen Momente. Obwohl es mir schwerfällt, gelingt mir der Wechsel durch Disziplin langsam aber sicher. Es bleibt die Frage was ich im Ramadan gelernt habe? Vielleicht die Wertschätzung der gegenseitigen Rücksichtnahme in einer Selbstbezogenen Gesellschaft. Vielleicht die Wichtigkeit des Teilens mit ärmeren Menschen. Vielleicht  aber auch die Besinnung auf mich selbst und meine eigenen Werte und Überzeugungen. Ich habe während dieses Monats kulturell gefastet. Mein bisheriges Leben wurde ohne Übergang drastisch verändert; die Entbehrungen waren zahlreich und haben mich Kraft und Geduld gekostet. Insgesamt bin ich aber dankbar für die Erfahrung und bereue nichts. Schließlich habe ich viele neue Menschen getroffen, meinen kulturellen Horizont stark erweitert und viel über mich selbst gelernt.

Nach der Sendepause der letzten Tage möchte ich einmal innehalten und bewusst noch vorne schauen. Langsam stellt sich bei mir ein Gefühl des Bekannten ein. Nicht vertraut, aber auch nicht mehr völlig fremd. Das merke ich äußerlich an meiner fast vollständigen Orientierungsfähigkeit in der Stadt, innerhlich daran, dass ich ein Gefühl dafür entwickelt habe, wie die Stadt funktioniert, wohin die Einheimischen gehen. Ich bin mir sicher, dass sich meine Reflektionen auf subtilere Themen konzentrieren wird, da mein Blick des Außenseiters von Verlust bedroht ist. Ohne Anstrengung werden mir die schnellen Observationen über das alltägliche Leben in Qatar in Zukunft nicht mehr so leicht gelingen.

Das lässt mich zwar wehmütig werden, aber auch zufrieden. Jede Periode der Ankunft in einer neuen Stadt oder einem neuen Land wird in der Regel begleitet vom Konflikt zwischen Anpassung oder Bewahrung der alten Identität. Letztendlich ist zumindest ein Mittelweg aus beidem langfristig unvermeidlich. Auch deshalb wechseln beispielsweise Diplomaten ihren Einsatzort im Ausland nach einer gewissen Zeit, um den eigenen kulturellen Nenner nicht aus den Augen zu verlieren oder gar bewusst aufzugeben.

Mir ist bewusst, dass sich die Phasen einer Neuankunft an einem Ort wandeln. Ich bekämpfe das nicht, sondern freue mich auf die neuen Erfahrungen und die neuen Möglichkeiten die damit einhergehen.

Eine Beobachtung ist, dass mir Privilegien zuteil werden, die viele meiner nichtdeutschen Bekannten nicht genießen. Unklar ist mir dabei, ob es tatsächlich an meiner Nationalität oder einfach an meiner Hautfarbe liegt. Ja, das ist Rassismus. Ich habe die Absicht, diese Privilegien zum Wohle vieler einzusetzen. Ändern kann ich nichts an dem Umständen, außer durch Offenheit prinzipiell jeder Nationalität gegenüber. Scheinbar paradox mutet mir die Tatsache an, dass zum Beispiel in Sicherheitsfirmen mit Angestellten aus Ländern mit weniger privilegierten Status in Qatar, regelmäßig ihre eigenen Landsleute verschiedener Orte verweisen, die mir uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Ob das schale Gefühl, welches ich dadurch gewinne abnimmt, weiß ich nicht. Und eigentlich habe ich kein Interesse dass dieses Gefühl jemals verschwindet.

Wie versprochen, folgen hier noch ein paar Fotos des Falken aus meinem letzten Beitrag.

As promised, I added a few decent photos of the falcon I mentioned in my earlier post

(Since I have been pretty busy, today it is a post just in german. Sorry guys)

Eine Abwechslung zur beinahe täglichen Routine beim Abendessen vorgestern war die Präsenz eines Falken. Kein wilder Falke, eher ein gezüchteter und trainierter Jagdfalke. Es war ein stolzes und schönes Tier und mit einem Wert von umgerechnet 11.000 € auch noch ein teures dazu.

Daher überrascht es mich nicht, dass der Falke nicht in einem Käfig lebt, sondern einen klimatisierten Raum ganz für sich alleine hat.


Auch im Alter von 2 Jahren ist die Ausbildung zum Jagdfalken nicht abgeschlossen. Ein wichtiger Teil ist die andauernde Sozialisierung mit Menschen, Gerüchen und Geräuschen. Immer wenn der Vogel aufgeregter wurde, bekam er eine Kappe aufgesetzt, die für ihn völlige Dunkelheit erzeugte und augenblicklich beruhigte.

Manche arabische Liebhaber der Jagdfalken zahlen für besonders rare Exemplare oder besondere Jagdeigenschaften in seltenen Fällen auch schon mal mehrere hunderttausend Euro. Daher bekomme ich den Eindruck, dass es sich dabei auch um ein besonderes Statussymbol handelt. Letztlich verlangt ein hochspezialisiertes und erfahrenes Tier auch einen erfahrenen Falkner, um besondere Ergebnisse beim Jagen zu erzielen. Ein Auto oder eine Yacht entfalten ihren Eindruck im Gegensatz dazu alleine durch ihr Aussehen oder Ihre Größe.

Es fasziniert mich bereits, die wachsamen Augen und die Reaktionfähigkeit des Falken auf der Hand zu erleben. Ich habe nicht nur großen Respekt davor, sondern würde das gerne einmal bei der Jagd erleben.

Einerseits fasziniert mich die Präsenz eines derart anmutigen Tieres und seiner Fähigkeiten, andererseits verkörpert ein Vogel für mich das Gefühl von Freiheit besser als irgendein anderes Tier. Aus diesem Grund fühlt sich ein Vogel in Gefangenschaft für mich auf eine unbestimmte Art falsch an. Allerdings ist es nur begrenzt eine Gefangenschaft auf engem Raum. Immer bei der Jagd kann der Falke seinen Instinkten folgen.

Ich vermute, dass ein gezüchteter und abgerichteter Falke auch für eine gewisse Zeit in der freien Natur überleben könnte. Manche Züchter gehen aber davon aus, dass sie aufgrund zuchtbedingter Fehlprägungen nicht fortpflanzungsfähig sind (Da sie von Wildvögeln nicht akzeptiert werden). Dies trifft natürlich nur auf gezüchtete und nicht auf gefangene und dann abgerichtete Wildfalken zu.

Heute werde ich mit etwas angemessener Kameraausrüstung ein paar Portrait dieses Falken aufnehmen, die Bilder werden nachgeliefert. Ebenfalls erhoffe ich mir Erkenntnisse darüber, warum Falkenjagd in Qatar sich derart großer Beliebtheit erfreut. Da die Situation in anderen arabischen Ländern ähnlich ist, sind die Webseiten der meisten europäischen Züchter auch auf arabisch verfügbar.

Da ich die Jagd bislang nicht selbst erlebt habe, bleibt mir für jetzt einfach Erstaunen und die Überlegung, ob ich diese Freizeitbeschäftigung dekadent finden soll oder nicht.

 

Doha bei Nacht

Dohas Skyline bei Nacht. Blick von der Uferpromenade aus aufgenommen. Im Vordergrund liegt ein Dhow genanntes traditionelles qatarisches Boot. Man kann es mieten und bei musikalischer Untermalung durch die Bucht gondeln. Manche Menschen rauchen dabei gerne Shisha oder trinken Tee. Die qataris, die etwas von sich halten und die qatarischen Traditionen wertschätzen, besitzen hingegen eine eigene Dhow. Diese werden dann für Angeltouren, zum Baden und für Übernachtungen auf dem Wasser genutzt.

// English

Doha`s Skyline  with a view from the Corniche. You can see one of the traditional boats of qatar. They are called dhow and can be rented in this case. Many qataris own one themselves and love to take it out to the sea to fish, swim and even stay overnight. Due to the heat in summer, this is more common in winter, but a few friends of mine go during these days despite the steamy heat.

Eine der zahlreichen Leckereien nach dem Abendgebet, die gereicht werden wenn die Familie meiner qatarischen Freunde noch zusammen sitzt und über den Tag und die persönlichen Dinge spricht und Tee oder arabischen (grünen) Kaffee trinkt. Die Datteln stammen aus einer der größten Oasen Saudi Arabiens und haben unbeschreiblich gut geschmeckt.

// English

When the evening prayer is finished, my qatari friends sit with their brothers (plus friends like me and others) and enjoy both sweets and sweet tea and arabic coffee (not just because they use arabica beans, but because it is green infused with spices lie green cardamom and almost transparent in the glass). Fortunately they are somewhat healh-concscious and love dates, which are also described as one of the important parts of Ramadan by their Prophet. In this case the dates tasted indescribably tasty. Even though dates usually might not look all that appealing, any patisseur would have to come up with his very best creation to get even close to dates like this taste-wise.

 

Dhow

Wenn sich Konversationen in der Vergangenheit um Qatar drehten, dann war die Qatar Foundation ziemlich sicher eine der qatarischen Institutionen, die meine Gesprächspartner kannten. Warum? Vielleicht liegt es am historischen Sponsorenvertrag mit dem FC Barcelona, übrigens der erste in der 113 Jahre langen Clubgeschichte. Vielleicht liegt es an dem seit wenigen Jahren ausgeschriebenen WISE Preis für Bildung über gut 400.000 €, oder dem drumherum stattfindenden WISE Gipfel für Exzellenz in der Bildung. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der schieren Größe der Investitionen, die durch die Qatar Foundation bisher getätigt wurden. Zurück zum Anfang, was ist die QF überhaupt?

1995 vom qatarischen Staatschef Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani als halbprivate Stiftung gegründet, strebt QF die Entwicklung der qatarischen Gesellschaft von einer Rohstoff- hin zu einer Wissensgesellschaft an. Insbesondere über Investitionen in eine Bildungs- und Forschungsinfrastruktur. Neben der Ansiedelung von Ablegern einiger, überwiegend US-amerikanischer, Topuniversitäten geht es aber auch um Grundlagenarbeit wie die Erhöhung der Alphabetisierung und  das Bewahren des kulturellen Erbes Qatars.

Zugegeben, das klingt nicht nur ambitioniert, sondern ruft auch so manche Kritiker auf den Plan. Eine schon öfter gehörte Meinung reduziert die Ziele der QF auf medienwirksames philanthropisches Schaulaufen.

Weniger bekannt, aber vermutlich nicht weniger wichtig sind beispielsweise die Zusammenarbeit mit Wikimedia zur Unterstützung einer wachsenden arabischen Wikipedia, eine Initiative zur Ansiedelung einer Solarindustrie in Qatar oder Aufklärungskampagnen über Diabetes (eine stark verbreitete Krankheit in Qatar).

Würde das Fortbestehen der starken Universtitätsgeschichte, die Europa in Jahrhunderten erhielt, durch die kräftige und einseitige Geldspritze eines ressourcenreichen Landes wirklich bedroht? Die Tatsache, dass der Großteil der zunächst hier angesiedelten Universitätsableger aus Nordamerika stammt, kann das nordatlantische Kräfteverhältnis im Bildungssektor tendenziell sogar weiter zu Europas Ungunsten verschieben. Bildungseinrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum kooperieren bislang erst sehr zaghaft in vereinzelten Projekten mit Qatar. Ich halte es daher für überfällig, bei den Trägern in der Heimat für eine Expansion zu plädieren. Auch wenn dies auf den ersten Blick eine Aufgabe der Politik zu sein scheint, könnte ein starker Impuls zur Zusammenarbeit auch von den Einrichtungen selbst, und dort von den Professoren und Studenten ausgehen. Dafür sprechen meine Erfahrungen in internationalen Projekten verschiedener Hochschulen. Die Frage bleibt: unter welchen Umständen gelingt eine Kooperation über den einseitigen Geldfluss von der einen und den einseitigen Ausverkauf des Wissens von der anderen Seite hinaus? Mein Fazit: Durch die Kooperation europäischer Universitäten und Museen mit Qatar werden die Möglichkeiten des länderübergreifenden Erkenntnisgewinns nicht nur auf akademischen Niveau erweitert; diese Kooperationen können auch zu einem interkulturellen Dialog führen und die gegenseitig existierenden Vorurteile abbauen.

Trotz der heutigen Aktivitäten ist es ein formuliertes Ziel, dass Qatar sich irgendwann in der Zukunft aus eigener Kraft und mit heimischen Fachkräften, international angesehene Bildungs- und Forschungseinrichtungen schafft. Bis dahin wird jedenfalls noch viel Wasser aus dem persischen Golf verdunsten. …

Äußerlich sichtbar sind die Aktivitäten der QF vor allem an den zahlreichen Bauwerken der sogenannten Education City. Für architektonisch erwähnenswert halte ich neben den erwähnten Universitäten insbesondere das Technologiezentrum (QSTP), Das Kongresszentrum (QNCC), das Sidra Medizin- und Forschungszentrum (SMRC) und das Al Shaqab Reitzentrum (ASEC). In ihrer respektiven Domäne handelt es sich bereits architektonisch um Weltklasseeinrichtungen. Es würde mich nicht wundern, wenn die inneren Qualitäten ebenfalls herausragend sind oder im Fall vom noch nicht eröffneten Sidra noch werden.

Das ist erst der Anfang. Das größte im Bau befindliche Projekt der Qatar Foundation ist derweil Msheireb. Ein Stadtviertel am historischen Ortskern Dohas. Weitere Informationen dazu finden sich in meinem älteren Artikel.

Derweil ist die Qatar Foundation nicht nur einer der größten Investoren in Qatar, sondern auch einer der attraktivsten Arbeitgeber Qatars, der keinen direkten Bezug zur Öl- oder Gaswirtschaft hat. Für weitere Infos auf Englisch könnt ihr ebenfalls die Website besuchen.

Als Schlussgedanken möchte ich das Potential einer Zusammenarbeit mit der QF für Deutschland skizzieren. Heutzutage konzentriert sich der Gewinn Deutschlands überwiegend auf den Export von Kfz, Anlagen, und Maschinen und zahlreiche deutsche Firmen sind im Anlagenbau und der Bauwirtschaft tätig. Das auswärtige Amt benennt für die Importe ein Außenhandelsüberschuss von gut 1,1 Mrd. € (2010).
Dieser könnte sich mit dem geplanten U-Bahnsystem in Doha, einer aufkeimenden Solarindustrie und den weiteren geplanten Bauvorhaben für die Fußballweltmeisterschaft 2022 nochmals drastisch vergrößern.

Sollte Qatar der Bau einer Gaspipeline nach Europa gelingen (was erst nach Beenden der Umwälzungen in Syrien möglich sein dürfte), wird das Ungleichgewicht nochmals explodieren. [Als Randnotiz: dies ist eine mögliche Erklärung für Russlands andauernde Unterstützung des syrischen Regimes.]

Im Gegensatz zum Export technischer Güter, ließe sich auch deutsche Kultur nach Qatar bringen. In Form von Brötchen, Brot und alkoholfreiem Bier. Obwohl…, das Bier, welches sich hier vornehm Malzgetränk nennt, gibt es ja bereits. Bleiben also die Backwaren. Da die deutsche Bevölkerung in Qatar allerdings recht überschaubar ist, bliebe ein Erfolg von Roggenbrötchen und Sauerteigbrot ungewiss…

Bowling und Klimaanlage – Bowling and A/C //

 

Einkaufen und Eislaufen – Shopping and skating //

 

Ruinen und Kolonialrequisiten – Ruins and requisites //

 

Fastfood und Lieferservice – Fast-food and free delivery //

 

Fasten und Festmahl – Fasting and feast //

 

Parkplätze und Pkw – Parking and Cars

Image

Image

Image

Image

Bei der Entdeckung der oben gezeigten Keramikfliesen fühlte ich mich ein wenig nach Jerez de la Frontera oder Granada in Andalusien erinnert. Die dortigen Beispiele orientalischer Ornamentik sind bisweilen an Kunstfertigkeit nur schwer zu übertreffen. Jedoch gefiel mir der verspielte Stil dieser handbemalten Kacheln hier in Doha. Besonders beim zweiten Bild habe ich den Eindruck, dass abstrakte beinahe zeitgenössische zeichnerische Darstellungen von Naturelementen zum Einsatz kamen. Die Fassade erhält so ein harmonisches, konsequentes und doch interessant verspieltes Gesamtbild.

In Erinnerung an meine Reflektionen über die Kunst und das arabische Geld kann ich auch hier erfreut feststellen, dass Kunst, Architektur und Geld sich nicht zwangsläufig in die Geschmacklosigkeit oder gar Beliebigkeit vereinen.


English summary

The pictured ceramic tiles instantly reminded me of my visit to the andalusian cities Jerez de la Frontera and Granada with its marvelous palace  La Alhambra. Even though the many examples of tiles there seem to be unparalleled in craftsmanship and beauty, i did really like the playfulness in this find in Doha. Of course, there was a lot of money involved, back then in the south of spain, and now on the arabian peninsula.

Image

Man nehme einen gemütlichen Raum, stellt bequeme Sitzmöbel rein, bereitet Shishas vor und stellt Süssigkeiten wie frische Datteln bereit. Und fertig ist das übliche Abendprogramm der älteren Qataris. Entgegen dem Klischee, dass Qataris ihre Freizeit überwiegend in Shopping-Centern oder in Restaurants verbringen, habe ich den Eindruck, dass die Generation ab 50+ Ihre Zeit am liebsten im Kreise der Familie und enger Freunde verbringt. Und das gerne stundenlang. Dabei möchte ich bemerken, dass die Männer und Frauen jeweils unter sich bleiben.

Für mich spannend sind die Begrüßungsgesten, die sich je nach Stand und Alter in der Familie unterscheiden. Kommt ein älteres Familienmitglied in den Raum, erheben sich alle Anwesenden, um den reihum gehenden Ankömmling zu begrüßen. Junge Familienmitglieder geben den älteren dabei wahlweise Nasenstupser oder sogar einen Kuss auf die Nase. Umarmungen waren sehr selten. Das Händeschütteln ist häufig. Je nach Rang oder Ehre gerne auch schon mal länger. Mir fällt auf, dass ich als Fremder generell häufiger begrüßt werde, als zum Beispiel Brüder ähnlichen Alters, die sich meist täglich sehen.

Bei diesen täglichen Treffen werden die wichtigen Familienangelegenheiten genauso wie Politik oder gesellschaftliche Ereignisse besprochen. Auffallend ist aber, dass nicht über die Arbeit gesprochen wird. Vielleicht ist dieser Umstand mitverantwortlich dafür, dass die Qataris die ich kenne, allesamt einen entspannten Eindruck auf mich machen. Auch Symptome wie Burn-Out, sind mir bislang nicht aufgefallen. Diese Reflexion ist sehr wohl subjektiv und vor weitergehender Beobachtung, lediglich mein erster Eindruck.

Image

Frische Datteln von den hauseigenen Palmen. Der dunkle Teil ist nahezu flüssig, der helle Teil noch leicht holzig und knusprig, etwa wie Äpfel der Sorte Granny Smith

Image

Ein Angestellter bereitet Glutwürfel für die Shishas vor.

Um heute eine alte Festung bei Abendsonne besichtigen zu können, verzichtete ich auf das allabendliche Iftar-Mahl bei meinen qatarischen Freunden. Es handelt sich um das „Umm Salal Mohammed Fort” im gleichnamigen Ort. Dieses zu finden hat mich einige Mühe gekostet: Einerseits da es keinerlei Beschilderung gibt, andererseits, da das gesamte Gelände weiträumig von Bauzäunen abgesperrt war und das Fort selbst eher einer Ruine glich, deren Überreste inzwischen von einer armen Familie als Unterschlupf zweckentfremdet wurden.

Zu meiner Überraschung liegt das Fort an einer Oase. Es war grün, es duftete nach Gräsern und eine Vielzahl an Vögeln und Insekten war zu hören. In dem Moment hatte ich zum ersten Mal in Qatar das Gefühl des vertrauten Sommers und nicht einfach bedingungslose sengende Hitze und Staub.

Ich habe mich kurz gefragt, warum die Qataris ihre Hauptstadt in Doha, fernab jeder Oasen gegründet haben… Und schnell realisierte ich, dass dort nach Perlen getaucht und Handel getrieben werden konnte. Zwar wachsen in den Oasen häufig Dattelpalmen und auch moderater Getreideanbau ist im Prinzip möglich, jedoch ist die Anzahl an Menschen, die damit versorgt werden kann, sehr begrenzt.

Ich genoss einen traumhaften Sonnenuntergang und versuchte so viel grün in mich aufzusaugen, wie ich konnte. Qatar vs. Landschaftliche Vorurteile:  1:0

Mehr brauch ich dazu an dieser Stelle nicht sagen.Image

Neben dem Fort gibt es in Umm Salal Mohammed außerdem noch die Barzan Türme. Image

 

P.s.: Bei Interesse an höheren Auflösungen einzelner Fotos einfach fragen…!

Gestern Abend durfte ich das Iftar im Kreise der Familie eines qatarischen Freundes erleben. Dazu trafen wir uns in der Familienmedjeles. Die Medjeles ist eine Art Familienwohnzimmer, die aber ein separates Gebäude ist und keinem Wohnhaus direkt angeschlossen ist. Dort gibt es mehrere große Räume, die je nach Funktion unterschiedlich eingerichtet sind. Zum Sitzen und Reden mit vielen Sesseln entlang der Wand. Zum Essen mit einem langen großen Perserteppich auf dem Boden. Und einzig zum Beten während des Ramadan ebenfalls mit Teppichen ausgestattet: in der Regel nur für Maghrib (Gebet nach dem Sonnenuntergang) sowie Isha (Nach Einbruch der Nacht) und Taraweeh (Nachtgebet zwischen Isha und Fajr [Morgengebet vor Sonnenaufgang]). Andere Nutzungen des dritten Raumes sind mir bislang nicht bekannt.

Zusätzlich besitzt diese Medjeles einen Waschraum, eine Küche und einen kleinen Innenhof. Die Ausstattung und Größe variiert stark und hängt vor allem vom Vermögen und Geltungsanspruch der Familie ab. Gemein haben aber alle Medjeles, dass sie ein Ort des Austauschs und der Geselligkeit sind, zu dem gelegentlich auch Freunde eingeladen werden. Die Traditionalisten unter den Qataris nutzen dazu auch gerne große Zelte. Im Sommer klimatisierte, im “Winter” klassische Beduinenzelte aus dicker Wolle. Bei der Elite der Qataris kann die Medjeles dann auch schon mal die Ausmaße eines kleinen Palastes einnehmen.

Zum Ablauf der Mahlzeit selbst kann ich nicht viel schreiben, außer dass von den knapp 35 Anwesenden während des Essens niemand auch nur ein Wort gesprochen hat. Nach einem Tag des Verzichts war der Hunger und Durst vermutlich so groß, dass das Essen andächtig geschah. Ich hebe das hervor, da die Essensrunden in der Vergangenheit zu gewöhnlichen Mahlzeiten mitunter ziemlich gesprächig waren und der Kontrast diesmal sehr groß. Da dies für Alle ein sehr privater Augenblick war, gibt es davon leider kein Foto. Ich überlass das eurer Fantasie. — Ich bin dankbar, auch als Nichtmuslim trotzdem als Gast an der Kultur teilhaben zu können. In manchen Ländern wäre das vielleicht nicht möglich.

Ein Platzhalter für die fehlenden Bilder des Iftar. Eine Hammer Kombination. Vollmundige Datteln mit geröstetem Sesam und vereinzelten Anissamen.

Es gab eine unüberschaubare Auswahl an herzhaften und süßen Gerichten, pflückfrischen und innen fast flüssigen Datteln und einigen Getränken, wie frischer Minzlimonade, Säften und Wasser. Beim anschließenden Beisammensein im “Loungeraum” wurden arabischer Kaffe in kleinen Gläschen und eine eiskalte Süßigkeit, die wie eine etwas übergroße weiche Praline mit leicht flüssigem Kern beschrieben werden kann, gereicht. — Doch trotz des Hungers haben die Qataris wie gewohnt extrem schnell, bzw. kurz gegessen. Alleine da ich das richtige Kauen beim essen bevorzuge, werde ich mich daran wohl nie gewöhnen. Zurück blieb ein Berg von Essen, der allerdings unter den Angestellten verteilt wurde.

Die einzigen Wolken, die heute hier zu sehen waren

Ich werde wohl die Nacht noch davon träumen, und wie so oft auch von kaltem Wetter und Regen. Ja, seid dankbar für den Niederschlag in Europa. Hier in Qatar regnet es durchschnittlich nur an 8 Tagen im Jahr. Und im Sommer ist die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90% nur dazu da, um den Körper noch schneller in den Schweiß zu treiben, zum Regen wird die im Sommer leider nie. Am Abend war es um 22:00 Uhr immer noch 39° C “warm”. Ciao

%d bloggers like this: