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Wie versprochen, folgen hier noch ein paar Fotos des Falken aus meinem letzten Beitrag.

As promised, I added a few decent photos of the falcon I mentioned in my earlier post

Doha bei Nacht

Dohas Skyline bei Nacht. Blick von der Uferpromenade aus aufgenommen. Im Vordergrund liegt ein Dhow genanntes traditionelles qatarisches Boot. Man kann es mieten und bei musikalischer Untermalung durch die Bucht gondeln. Manche Menschen rauchen dabei gerne Shisha oder trinken Tee. Die qataris, die etwas von sich halten und die qatarischen Traditionen wertschätzen, besitzen hingegen eine eigene Dhow. Diese werden dann für Angeltouren, zum Baden und für Übernachtungen auf dem Wasser genutzt.

// English

Doha`s Skyline  with a view from the Corniche. You can see one of the traditional boats of qatar. They are called dhow and can be rented in this case. Many qataris own one themselves and love to take it out to the sea to fish, swim and even stay overnight. Due to the heat in summer, this is more common in winter, but a few friends of mine go during these days despite the steamy heat.

Eine der zahlreichen Leckereien nach dem Abendgebet, die gereicht werden wenn die Familie meiner qatarischen Freunde noch zusammen sitzt und über den Tag und die persönlichen Dinge spricht und Tee oder arabischen (grünen) Kaffee trinkt. Die Datteln stammen aus einer der größten Oasen Saudi Arabiens und haben unbeschreiblich gut geschmeckt.

// English

When the evening prayer is finished, my qatari friends sit with their brothers (plus friends like me and others) and enjoy both sweets and sweet tea and arabic coffee (not just because they use arabica beans, but because it is green infused with spices lie green cardamom and almost transparent in the glass). Fortunately they are somewhat healh-concscious and love dates, which are also described as one of the important parts of Ramadan by their Prophet. In this case the dates tasted indescribably tasty. Even though dates usually might not look all that appealing, any patisseur would have to come up with his very best creation to get even close to dates like this taste-wise.

 

Dhow

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Man nehme einen gemütlichen Raum, stellt bequeme Sitzmöbel rein, bereitet Shishas vor und stellt Süssigkeiten wie frische Datteln bereit. Und fertig ist das übliche Abendprogramm der älteren Qataris. Entgegen dem Klischee, dass Qataris ihre Freizeit überwiegend in Shopping-Centern oder in Restaurants verbringen, habe ich den Eindruck, dass die Generation ab 50+ Ihre Zeit am liebsten im Kreise der Familie und enger Freunde verbringt. Und das gerne stundenlang. Dabei möchte ich bemerken, dass die Männer und Frauen jeweils unter sich bleiben.

Für mich spannend sind die Begrüßungsgesten, die sich je nach Stand und Alter in der Familie unterscheiden. Kommt ein älteres Familienmitglied in den Raum, erheben sich alle Anwesenden, um den reihum gehenden Ankömmling zu begrüßen. Junge Familienmitglieder geben den älteren dabei wahlweise Nasenstupser oder sogar einen Kuss auf die Nase. Umarmungen waren sehr selten. Das Händeschütteln ist häufig. Je nach Rang oder Ehre gerne auch schon mal länger. Mir fällt auf, dass ich als Fremder generell häufiger begrüßt werde, als zum Beispiel Brüder ähnlichen Alters, die sich meist täglich sehen.

Bei diesen täglichen Treffen werden die wichtigen Familienangelegenheiten genauso wie Politik oder gesellschaftliche Ereignisse besprochen. Auffallend ist aber, dass nicht über die Arbeit gesprochen wird. Vielleicht ist dieser Umstand mitverantwortlich dafür, dass die Qataris die ich kenne, allesamt einen entspannten Eindruck auf mich machen. Auch Symptome wie Burn-Out, sind mir bislang nicht aufgefallen. Diese Reflexion ist sehr wohl subjektiv und vor weitergehender Beobachtung, lediglich mein erster Eindruck.

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Frische Datteln von den hauseigenen Palmen. Der dunkle Teil ist nahezu flüssig, der helle Teil noch leicht holzig und knusprig, etwa wie Äpfel der Sorte Granny Smith

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Ein Angestellter bereitet Glutwürfel für die Shishas vor.

Gestern Abend durfte ich das Iftar im Kreise der Familie eines qatarischen Freundes erleben. Dazu trafen wir uns in der Familienmedjeles. Die Medjeles ist eine Art Familienwohnzimmer, die aber ein separates Gebäude ist und keinem Wohnhaus direkt angeschlossen ist. Dort gibt es mehrere große Räume, die je nach Funktion unterschiedlich eingerichtet sind. Zum Sitzen und Reden mit vielen Sesseln entlang der Wand. Zum Essen mit einem langen großen Perserteppich auf dem Boden. Und einzig zum Beten während des Ramadan ebenfalls mit Teppichen ausgestattet: in der Regel nur für Maghrib (Gebet nach dem Sonnenuntergang) sowie Isha (Nach Einbruch der Nacht) und Taraweeh (Nachtgebet zwischen Isha und Fajr [Morgengebet vor Sonnenaufgang]). Andere Nutzungen des dritten Raumes sind mir bislang nicht bekannt.

Zusätzlich besitzt diese Medjeles einen Waschraum, eine Küche und einen kleinen Innenhof. Die Ausstattung und Größe variiert stark und hängt vor allem vom Vermögen und Geltungsanspruch der Familie ab. Gemein haben aber alle Medjeles, dass sie ein Ort des Austauschs und der Geselligkeit sind, zu dem gelegentlich auch Freunde eingeladen werden. Die Traditionalisten unter den Qataris nutzen dazu auch gerne große Zelte. Im Sommer klimatisierte, im “Winter” klassische Beduinenzelte aus dicker Wolle. Bei der Elite der Qataris kann die Medjeles dann auch schon mal die Ausmaße eines kleinen Palastes einnehmen.

Zum Ablauf der Mahlzeit selbst kann ich nicht viel schreiben, außer dass von den knapp 35 Anwesenden während des Essens niemand auch nur ein Wort gesprochen hat. Nach einem Tag des Verzichts war der Hunger und Durst vermutlich so groß, dass das Essen andächtig geschah. Ich hebe das hervor, da die Essensrunden in der Vergangenheit zu gewöhnlichen Mahlzeiten mitunter ziemlich gesprächig waren und der Kontrast diesmal sehr groß. Da dies für Alle ein sehr privater Augenblick war, gibt es davon leider kein Foto. Ich überlass das eurer Fantasie. — Ich bin dankbar, auch als Nichtmuslim trotzdem als Gast an der Kultur teilhaben zu können. In manchen Ländern wäre das vielleicht nicht möglich.

Ein Platzhalter für die fehlenden Bilder des Iftar. Eine Hammer Kombination. Vollmundige Datteln mit geröstetem Sesam und vereinzelten Anissamen.

Es gab eine unüberschaubare Auswahl an herzhaften und süßen Gerichten, pflückfrischen und innen fast flüssigen Datteln und einigen Getränken, wie frischer Minzlimonade, Säften und Wasser. Beim anschließenden Beisammensein im “Loungeraum” wurden arabischer Kaffe in kleinen Gläschen und eine eiskalte Süßigkeit, die wie eine etwas übergroße weiche Praline mit leicht flüssigem Kern beschrieben werden kann, gereicht. — Doch trotz des Hungers haben die Qataris wie gewohnt extrem schnell, bzw. kurz gegessen. Alleine da ich das richtige Kauen beim essen bevorzuge, werde ich mich daran wohl nie gewöhnen. Zurück blieb ein Berg von Essen, der allerdings unter den Angestellten verteilt wurde.

Die einzigen Wolken, die heute hier zu sehen waren

Ich werde wohl die Nacht noch davon träumen, und wie so oft auch von kaltem Wetter und Regen. Ja, seid dankbar für den Niederschlag in Europa. Hier in Qatar regnet es durchschnittlich nur an 8 Tagen im Jahr. Und im Sommer ist die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90% nur dazu da, um den Körper noch schneller in den Schweiß zu treiben, zum Regen wird die im Sommer leider nie. Am Abend war es um 22:00 Uhr immer noch 39° C “warm”. Ciao

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