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Über Qatar wurde in jüngster Zeit viel in den deutsche Medien berichtet. Vor einem Jahr war es das, für manche überraschende, militärische Eingreifen in Libyen. Vor knapp zwei Jahren stand die ebenfalls unerwartete Vergabe der Fußball Weltmeisterschaft 2022 an Katar im Mittelpunkt, und kürzlich wurde in Deutschland über den möglichen Export deutscher Rüstungsgüter in das kleine aber wachsende Land am persischen Golf debattiert.

Zum besseren Verständnis lohnt sich ein Blick in die jüngere Geschichte des Landes, angesichts dessen die Entwicklung der letzten Jahrzehnte besonders eindrucksvoll erscheint. —

Noch Anfang des letzten Jahrhunderts lebte Qatar wirtschaftlich vom Fischfang, dem Tauchen nach Perlen sowie dem Handel. Bis auf wenige Oasen im Landesinneren war das Land größtenteils nur in vereinzelten Küstensiedlungen bewohnt.

Dass Qatar vor einigen tausend Jahren eine dichte Vegetation aufwies und wesentlich dichter besiedelt war als heute, ist beim Anblick der Wüste schwer vorstellbar. Aufgrund seiner strategischen Lage war es in der Vergangenheit jedoch öfters das Ziel von Übernahmeversuchen, die jedoch auch mit Hilfe der Briten abgewehrt wurden.

Auch heute leben noch einige Zeitzeugen in Qatar, die ohne Klimaanlagen oder gar Elektrizität aufgewachsen sind. In mühevoller Arbeit rangen Sie der Wüste und dem Meer früher eine karge Lebensgrundlage ab. — Die Kinder der alten Generation und deren Kinder leben heute in einem Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und frei jeglicher wirtschaftlicher Bedürftigkeit. Die körperliche Arbeit, welche die „Gründungsväter“ des modernen Qatars noch intensiv betrieben, ist heute allein den zahlreichen Gastarbeitern vorbehalten. Die Folgen sind eine gefühlt weit verbreitete Passivität der jungen Generation sowie erhebliche Gesundheitsprobleme.

Der Staat hat darauf mit einer Reihe von Aktivitäten reagiert; Programme zur Förderung sportlicher Betätigung und der National Sports Day am zweiten Dienstag im Februar.

Zusätzlich versucht der Staat, die Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft zu wandeln. Durch die Kooperation mit einigen namhaften amerikanischen Universitäten, und durch die Förderung – und Einkauf – von Kunst und Kultur. Jedoch besteht mit der Qatar University auch ein längeres eigenes akademisches Streben dieses winzigen Erdölriesen. Bemerkenswert ist dort die mit über 70% relativ hohe Quote an weiblichen Studenten.

Den Zeichen wachsender Teilnahme der Frauen in der öffentlichen Gesellschaft stehen noch relativ strikte gesellschaftliche Normen entgegen, die aus westlicher Sicht schwer verständlich sind, jedoch eine tiefe Verwurzelung in der jüngeren Qatarischen Geschichte aufweisen. Diese Traditionen wirken aus deutscher Sicht eindeutig patriarchalisch. Angesichts der überwältigen Frauenmehrheit bei den zukünftigen Akademikern dürfte sich dieser Umstand in wenigen Generationen jedoch stark wandeln.

Neben der gesellschaftlichen Struktur kann man in Qatar leicht die Vielzahl an bestehenden Infrastrukturprojekten sehen. Angesichts der geplanten Fußball Weltmeisterschaft 2022 lassen sich bei anhaltendem oder vermutlich zunehmendem Entwicklungstempo auch unzählige zukünftige Bauvorhaben erahnen.

Was ist der Preis, den Qatar dafür zahlt? Eine Überwältigende Mehrheit ausländischer Fachkräfte sowie unqualifizierter Bauarbeiter steht eine wachsende, jedoch immer noch deutlich kleinere qatarische Bevölkerung gegenüber. Das hat ein Zusammentreffen verschiedenster Nationalitäten und Kulturen zur Folge, welche sich – fern der Heimat –  gegenüber den anderen Immigranten tendenziell eher abkapseln. Durch den überwiegend zeitlich begrenzten temporären Aufenthalt vieler Gastarbeiter wird dies noch verstärkt.

Die qatarische Bevölkerung hat andererseits mit einer Entfremdung der eigenen Traditionen und dem Verlust des kulturellen Erbes zu kämpfen. Auch das führt teilweise zu einer deutlichen Abgrenzung gegenüber anderen Nationalitäten, aber nicht zwangsläufig zu der Entwicklung einer klaren Identität Qatars.

Dabei ist Qatar eines der Länder, in denen die Umbrüche des arabischen Frühlings bislang die geringsten direkten Auswirkungen bewirkt haben. Dies ist ein Risiko und eine Chance zugleich. Abgesehen davon, dass Qatar im jetzigen Zustand für Investoren weiterhin eine Goldmine bleibt, hat Qatar eine vergleichsweise große Chance, zwischen dem Osten und dem Westen zu vermitteln. Vorausgesetzt, alle Menschen in Qatar beginnen, nach ihren Gemeinsamkeiten zu suchen anstatt der sekundären Unterschiede.

Following the local customs and laws in the middle east, even western fashion brands appear to react when offering special cuts of clothing that follow the islamic laws of the Sharia. Even so, the countries with the longest ongoing development of foreign investment and influx of tourism, have the highest felt percentage of people ignoring these laws in daily life. This leads to people wearing super tight hot-pants or spaghetti/tank-tops in public places like shopping-malls. I wonder, why some people have little respect for this.

Just as a theoretical practice for thought. Why don’t people allow teachers [with islamic background] in europe to wear their traditional headscarf at school? I guess, because they are afraid, that the cultural practice behind this is not european and it could lead to the “wrong” role-model for the children. Even though I can understand this way of thinking, I ask myself, what is the difference being here in the arab states? Not much really. People don’t want to have other people walking around with too much skin exposed. They are afraid that the cultural practice behind this is not arab and it could also lead to the wrong role-model for children (not to mention the other reasons described in Islam). Both perspectives are based on the same ground and should be respected. Actually I can understand both perspectives, but how can we find solutions that allow all the different cultures to live next to each other?

In countries that depend on a substantial expatriate workforce, this seems to be quite a challenging task. If you add tourism as one of the major streams of revenue, like in the emirate of Dubai, this task becomes even more challenging with the availability of countless public beaches. At the beaches you can find people wearing everything from brazilian cut bikinis to full-body Abayas or male board shorts covering the legs over the knees. I did not have the impression that anyone was annoyed by anyone else on the beach, regardless the attire. Thus, people seem to be able to tolerate one another. The question remains, when do politicians worldwide realize, that some of their people actually are open-minded? I leave it up to you to answer that question, which is not always well below the knee…

Next bus stop 1 km

Doha besitzt zwar ein System öffentlicher Busse, dieses ist jedoch unzuverlässig und deckt nur einen kleinen Teil der Stadt ab. Die Fahrpläne sind Glückssache und die Bushaltestellen ein Schild am Straßenrand. Manchmal steht dieses sogar auf der Autobahn. Richtige Wartehäuschen, geschweige denn Sonnen- oder Hitzeschutz sucht man vergebens.

Daher verwundert es mich nicht, dass ein Großteil der Menschen ein eigenes Auto besitzt oder auf die mehr oder weniger präsenten Taxis angewiesen ist. Es gibt offizielle türkisfarbene Taxen der staatlichen Firma “karwa” mit Taxameter und eine unbekannte Zahl privater, meist nichtangemeldeter, Taxen. Auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist, das Taxameter laufen zu lassen, nutzen die Fahrer die Knappheit an Fahrzeugen oft aus, um überzogene Festpreise zu verlangen. So zahlt man für eine Fahrt von West Bay (Dem Geschäftszentrum der Stadt) in das alte Zentrum Dohas, fast soviel wie für eine volle Tankfüllung eines kleinen Geländewagens.

Wer es sich leisten kann besitzt daher mindestens ein oder mehrere Autos, je nach Zweck. Den Pickup zum gelegentlichen Transportieren von Tieren oder schleppen einer Yacht. Den Landcruiser zum bequemen Familienausflug ins Einkaufszentrum. Und den getunten deutsche Luxussportwagen zum herumfahren und gesehen werden. Selbstverständlich gibt es auch bescheidene kleine PKW, jedoch ist das Straßenbild geprägt durch die größten verfügbaren japanischen und seltener auch amerikanischen SUV. Da diese kaum mehr auffallen, greifen die Eigentümer zum “Farbeimer” und lassen sich ihr Fahrzeug in grellen und eher unüblichen Farben streichen (Mehr dazu in meinem alten Beitrag): Pink, Neonorange, Neongrün, Mattgrau, oder auch Gold. In Deutschland würde man am Steuer eher Mitglieder des Rotlichtmilieus vermuten, hier sind es ganz normale Bürger mit lediglich leicht erhöhtem Geltungsbedürfnis.

qatar taxi

Gang selten sieht man echte Klassiker auf der Straße. Ohne Klimaanlage oder jeglichen Schnickschnack. Dabei ist die staubige Luft Qatars nicht die Umgebung der ich solche Autos aussetzen würde.

contrasting cars

“tastefully” painted car…

Derweil plant Qatar ein Netz aus Schienenverkehr. Bislang gibt es noch nicht eine Strecke im ganzen Land. Pünktlich zur Fußball-WM 2022 soll dann ein U- und S-Bahnnetz fertiggestellt werden, welches vor allem die Expats, aber auch Touristen effizient und umweltschonend transportieren wird. Ob die qatarischen Staatsbürger jedweden Nahverkehr nutzen werden, scheint mir heute ungewiss. Das momentan entstehende Viertel Mscheireb wird zudem neben zwei verschiedenen U-Bahnstationen eine dezidierte Straßenbahn besitzen, die in kurzer Taktfrequenz auf einer Kreisbahn den direkten Personennahverkehr leistet und die Laufwege drastisch verkürzt.

Ohne diese Projekte stünde Doha und wahrscheinlich auch dem Umland eine staugeplagte Zukunft bevor. Bereits jetzt muss das kreisverkehrreiche Straßennetz am Wochenende, zur Hauptverkehrszeit am Abend und an Feiertagen kapitulieren. Auch wenn europäische und amerikanische Verkehrsplaner an der Entwicklung beteiligt sind und weiter beteiligt werden, habe ich den Eindruck, dass die meisten Maßnahmen mit einem Planungshorizont weniger Jahre gebaut werden. Durch die stetige Zuwanderung gelangt jede neu entstandene Straße rasch an ihre Kapazitätsgrenzen.

Es gibt in Doha kaum Anreize das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Das liegt an gänzlich fehlenden Fahrradwegen und einer weitverbreiteten halsbrecherischen Fahrweise vieler Verkehrsteilnehmer, die Fahrradfahrer zu einer bedrohten Spezies macht.

Somit stellt Doha sämtliche Voraussetzungen bereit, um einen sitzgeprägten Lebensstil in allen Lebenssituationen zu fördern und zu bewahren. Eine Folge sind die bereits erwähnten weitverbreiteten Gesundheitsprobleme der Qataris. Um diese nachhaltig zu bekämpfen, bedarf es ganzheitlicher Konzepte, um neue “alte” Gewohnheiten zu verändern und ein Bewusstsein für den Wert der körperlichen Bewegung zu schaffen. Eine zentrale Rolle spielen dabei meiner Meinung nach auch die Fortbewegungsmittel des Alltags und überdies eine Stadtplanung, die Fußwege in der Kurzdistanz erleichtert und fördert. Das beste Beispiel einer vergleichbaren Stadt ist dabei Abu Dhabi, das Fußgängern attraktive Wege und auch Umgehungen der Straßenkreuzungen anbietet.

Zur Erfüllung meiner heutigen Bewegungsration FAHRE ich später noch zum Salsatanzen.
Bleibt alle schön fit!

Wie angekündigt, teile ich jetzt meine Reflektionen über das vergangene Feiertagswochenende. Zunächst kann ich feststellen, dass sich mein Schlafrhythmus in den letzten Tagen des Ramadans nochmals drastisch nach hinten verlagert hat. Neben dem Besuch der Moschee in der 27. Nacht möchte ich insbesondere die Nacht des letzten Tages auf den Eid Feiertag hervorheben. Da habe ich garnicht geschlafen. Zum einen lag das an diversen sozialen Aktivitäten, zum anderen am frühmorgendlichen Eid Gebet um 5:20 Uhr. Auch diese Mal habe ich Freunde begleitet. Das Eidgebet wird traditionell unter freiem Himmel gebetet, in unserem Fall gingen wir in ein Fußballstadion dessen perfekt gepflegter Rasen hunderten Gläubigen Platz bot. Neben dem Ende des Ramadan markiert dieses Gebet den Beginn des Eid, im Volksmund auch Zuckerfest genannt. Dazu werden ähnlich zur Weihnachtszeit Unmengen von Essen gekauft, und die aufwändigsten und tollsten Gerichte Zubereitet, die die Familien beherrschen.

Neben dem Einkauf von Essen kaufen die Menschen neue Kleider, Möbel und auch Autos für den Feiertag und der Gang zum Frisör scheint mir beinahe obligatorisch. Der beobachtete Andrang war derart groß, dass die Frisöre keine Zeit hatten, zwischen den Kunden die geschnittenen Haare aufzukehren.

Mit Eid feiern die Muslime weltweit die Rückkehr zu Speis und Trank tagsüber und danken für die Kraft, den Ramadan erleben und überstehen zu dürfen. Nach meinem persönlichen Eindruck hat die Belastung durch Dehydrierung und Arbeit trotz Nahrungsverzicht in den letzten Tagen für die Mehrheit meiner Kontakte zugenommen. Öfter denn je hörte ich die Worte Kopfschmerzen, trockener Mund und große Müdigkeit. Die Stimmung jedoch war positiv und trotzdem empfand ich viele Menschen als viel geduldiger und zuvorkommender als sonst. Auch wenn im Geschäftsbereich Fehler passierten, waren diese nach der Fastenfrage schnell verziehen.

Da es mehrere freie Tage für die große Mehrheit der Angestellten gibt, wird der Anlass genutzt, um noch einmal vermehrt Freunde zu treffen und auszugehen. Da das Feiern nicht mehr sanktioniert wird, werden Feste veranstaltet und ausgelassen konsumiert bevor seit heute für viele wieder die regulären Arbeitszeiten gelten. Einige Firmen und die Regierung spendieren ihren Angestellten allerdings ein bis zu zwei Wochen Ferien.

Nun versucht fast Jeder sich wieder an den alten Rhythmus zu gewöhnen. Manche träumen aber noch dem Ramadan hinterher, der Besonnenheit und der vielen besonderen Momente. Obwohl es mir schwerfällt, gelingt mir der Wechsel durch Disziplin langsam aber sicher. Es bleibt die Frage was ich im Ramadan gelernt habe? Vielleicht die Wertschätzung der gegenseitigen Rücksichtnahme in einer Selbstbezogenen Gesellschaft. Vielleicht die Wichtigkeit des Teilens mit ärmeren Menschen. Vielleicht  aber auch die Besinnung auf mich selbst und meine eigenen Werte und Überzeugungen. Ich habe während dieses Monats kulturell gefastet. Mein bisheriges Leben wurde ohne Übergang drastisch verändert; die Entbehrungen waren zahlreich und haben mich Kraft und Geduld gekostet. Insgesamt bin ich aber dankbar für die Erfahrung und bereue nichts. Schließlich habe ich viele neue Menschen getroffen, meinen kulturellen Horizont stark erweitert und viel über mich selbst gelernt.

Nach der Sendepause der letzten Tage möchte ich einmal innehalten und bewusst noch vorne schauen. Langsam stellt sich bei mir ein Gefühl des Bekannten ein. Nicht vertraut, aber auch nicht mehr völlig fremd. Das merke ich äußerlich an meiner fast vollständigen Orientierungsfähigkeit in der Stadt, innerhlich daran, dass ich ein Gefühl dafür entwickelt habe, wie die Stadt funktioniert, wohin die Einheimischen gehen. Ich bin mir sicher, dass sich meine Reflektionen auf subtilere Themen konzentrieren wird, da mein Blick des Außenseiters von Verlust bedroht ist. Ohne Anstrengung werden mir die schnellen Observationen über das alltägliche Leben in Qatar in Zukunft nicht mehr so leicht gelingen.

Das lässt mich zwar wehmütig werden, aber auch zufrieden. Jede Periode der Ankunft in einer neuen Stadt oder einem neuen Land wird in der Regel begleitet vom Konflikt zwischen Anpassung oder Bewahrung der alten Identität. Letztendlich ist zumindest ein Mittelweg aus beidem langfristig unvermeidlich. Auch deshalb wechseln beispielsweise Diplomaten ihren Einsatzort im Ausland nach einer gewissen Zeit, um den eigenen kulturellen Nenner nicht aus den Augen zu verlieren oder gar bewusst aufzugeben.

Mir ist bewusst, dass sich die Phasen einer Neuankunft an einem Ort wandeln. Ich bekämpfe das nicht, sondern freue mich auf die neuen Erfahrungen und die neuen Möglichkeiten die damit einhergehen.

Eine Beobachtung ist, dass mir Privilegien zuteil werden, die viele meiner nichtdeutschen Bekannten nicht genießen. Unklar ist mir dabei, ob es tatsächlich an meiner Nationalität oder einfach an meiner Hautfarbe liegt. Ja, das ist Rassismus. Ich habe die Absicht, diese Privilegien zum Wohle vieler einzusetzen. Ändern kann ich nichts an dem Umständen, außer durch Offenheit prinzipiell jeder Nationalität gegenüber. Scheinbar paradox mutet mir die Tatsache an, dass zum Beispiel in Sicherheitsfirmen mit Angestellten aus Ländern mit weniger privilegierten Status in Qatar, regelmäßig ihre eigenen Landsleute verschiedener Orte verweisen, die mir uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Ob das schale Gefühl, welches ich dadurch gewinne abnimmt, weiß ich nicht. Und eigentlich habe ich kein Interesse dass dieses Gefühl jemals verschwindet.

Last night was one of the most sacred nights of Ramadan for muslims, and some even consider it as the most important one, as for them it is the night that their prophet Muhammad received the revelations of the Qur’an. As there is no absolute certainty about which of the last ten nights of Ramadan might be Laylat al-Qadr, the night of Power, all the odd nights starting from the 21st night of Ramadan are considered as the most important ones. Thus the majority of muslims spend the whole night praying in the mosque, some even spend the whole last ten days of Ramadan there. According to islamic believe, Laylat al-Qadr equals a thousand nights, thus the prayers performed during that night count more than during any other time.

Fortunately I was able to experience the 27th of the nights with some friends of mine in the state Mosque of Qatar, the Sheikh Muhammad Ibn Abdul Wahhab Mosque. Correcting my last post about it, I heard that in fact it has room for around 30.000 people instead of 10.000.

The raka’at of the prayer were the longest I have experienced so far. Raka’at are the units of the islamic prayer that consist of all the sūrah (verses of the Qur’an), and movements described by their prophet. Unlike the regular prayers during one day, these two raka’at lasted about 20 minutes each, making it an intense experience.

Even though I did not understand a word of the imam’s recitation, the sound of his voice was soothing and peaceful. Following all the raka’at the duaa prayers were performed, which are not obligatory to my knowledge and can be compared to the rogations in church. People would ask for divine support for whatever they need it. At the end it became quite an intense experience, that can hardly be described. If you are interested to experience this most important moment in the islamic year, ask some friends to take you with them to the mosque. There is one more odd night

Somehow I did attract quite a lot of attention from other people who wanted to know if I also am muslim. I declined but wondered about why. The color of my skin possibly suggests, that I am most likely not born a muslim, and it is quite a big deal for muslims to see a non-muslim interested or at least curious about their practices. Needless to say, that I received a lot of wishes to convert to Islam, but I already got used to this since I have arrived.  Often this tends to lead to prolonged discussions about the reasons for why I did in fact not convert. I accepted that almost all the muslims I will meet, will make an effort to tell me about their religion, this is also part of living in a muslim country.

Even though I am just about to dive into a whole new topic, I just want to add, that I do enjoy some of the discussions among a group of muslims-only about their religion. I can see, that as human as it is to question, there are areas where cultural perspectives mix in with orthodox religious believe. Despite observing this, I have the impression, that this has led to a lot of prejudices about any religion by many people. They often see a cultural practice and mistake it as pure religion. Personally I object here. Looking at [religious] people is never looking at a religion. Members of any religion always interpret and make their own judgement and thus by nature don’t represent a religion to a hundred percent. This statement might get some to disagree heavily with me, as they will claim, that they do represent their religion a hundred percent.

Eventually most of the religious wars in the world originated on this misconception. I am not aware of any religion (scripture) that clearly orders people to kill each other. So, while possibly taking up the cudgels here for all Religions, I have found the following thinking a safe bet: If you want to judge about a religion, read the scriptures of that religion and don’t build your judgement just by looking at people. If we ever think, declaring believe for any form of religion makes anyone better than anybody else, we have already lost anyways.

Alright, I will leave it as that and go and enjoy the last 90 minutes of sunshine outside

Stay well.

(Since I have been pretty busy, today it is a post just in german. Sorry guys)

Eine Abwechslung zur beinahe täglichen Routine beim Abendessen vorgestern war die Präsenz eines Falken. Kein wilder Falke, eher ein gezüchteter und trainierter Jagdfalke. Es war ein stolzes und schönes Tier und mit einem Wert von umgerechnet 11.000 € auch noch ein teures dazu.

Daher überrascht es mich nicht, dass der Falke nicht in einem Käfig lebt, sondern einen klimatisierten Raum ganz für sich alleine hat.


Auch im Alter von 2 Jahren ist die Ausbildung zum Jagdfalken nicht abgeschlossen. Ein wichtiger Teil ist die andauernde Sozialisierung mit Menschen, Gerüchen und Geräuschen. Immer wenn der Vogel aufgeregter wurde, bekam er eine Kappe aufgesetzt, die für ihn völlige Dunkelheit erzeugte und augenblicklich beruhigte.

Manche arabische Liebhaber der Jagdfalken zahlen für besonders rare Exemplare oder besondere Jagdeigenschaften in seltenen Fällen auch schon mal mehrere hunderttausend Euro. Daher bekomme ich den Eindruck, dass es sich dabei auch um ein besonderes Statussymbol handelt. Letztlich verlangt ein hochspezialisiertes und erfahrenes Tier auch einen erfahrenen Falkner, um besondere Ergebnisse beim Jagen zu erzielen. Ein Auto oder eine Yacht entfalten ihren Eindruck im Gegensatz dazu alleine durch ihr Aussehen oder Ihre Größe.

Es fasziniert mich bereits, die wachsamen Augen und die Reaktionfähigkeit des Falken auf der Hand zu erleben. Ich habe nicht nur großen Respekt davor, sondern würde das gerne einmal bei der Jagd erleben.

Einerseits fasziniert mich die Präsenz eines derart anmutigen Tieres und seiner Fähigkeiten, andererseits verkörpert ein Vogel für mich das Gefühl von Freiheit besser als irgendein anderes Tier. Aus diesem Grund fühlt sich ein Vogel in Gefangenschaft für mich auf eine unbestimmte Art falsch an. Allerdings ist es nur begrenzt eine Gefangenschaft auf engem Raum. Immer bei der Jagd kann der Falke seinen Instinkten folgen.

Ich vermute, dass ein gezüchteter und abgerichteter Falke auch für eine gewisse Zeit in der freien Natur überleben könnte. Manche Züchter gehen aber davon aus, dass sie aufgrund zuchtbedingter Fehlprägungen nicht fortpflanzungsfähig sind (Da sie von Wildvögeln nicht akzeptiert werden). Dies trifft natürlich nur auf gezüchtete und nicht auf gefangene und dann abgerichtete Wildfalken zu.

Heute werde ich mit etwas angemessener Kameraausrüstung ein paar Portrait dieses Falken aufnehmen, die Bilder werden nachgeliefert. Ebenfalls erhoffe ich mir Erkenntnisse darüber, warum Falkenjagd in Qatar sich derart großer Beliebtheit erfreut. Da die Situation in anderen arabischen Ländern ähnlich ist, sind die Webseiten der meisten europäischen Züchter auch auf arabisch verfügbar.

Da ich die Jagd bislang nicht selbst erlebt habe, bleibt mir für jetzt einfach Erstaunen und die Überlegung, ob ich diese Freizeitbeschäftigung dekadent finden soll oder nicht.

 

Doha bei Nacht

Dohas Skyline bei Nacht. Blick von der Uferpromenade aus aufgenommen. Im Vordergrund liegt ein Dhow genanntes traditionelles qatarisches Boot. Man kann es mieten und bei musikalischer Untermalung durch die Bucht gondeln. Manche Menschen rauchen dabei gerne Shisha oder trinken Tee. Die qataris, die etwas von sich halten und die qatarischen Traditionen wertschätzen, besitzen hingegen eine eigene Dhow. Diese werden dann für Angeltouren, zum Baden und für Übernachtungen auf dem Wasser genutzt.

// English

Doha`s Skyline  with a view from the Corniche. You can see one of the traditional boats of qatar. They are called dhow and can be rented in this case. Many qataris own one themselves and love to take it out to the sea to fish, swim and even stay overnight. Due to the heat in summer, this is more common in winter, but a few friends of mine go during these days despite the steamy heat.

Eine der zahlreichen Leckereien nach dem Abendgebet, die gereicht werden wenn die Familie meiner qatarischen Freunde noch zusammen sitzt und über den Tag und die persönlichen Dinge spricht und Tee oder arabischen (grünen) Kaffee trinkt. Die Datteln stammen aus einer der größten Oasen Saudi Arabiens und haben unbeschreiblich gut geschmeckt.

// English

When the evening prayer is finished, my qatari friends sit with their brothers (plus friends like me and others) and enjoy both sweets and sweet tea and arabic coffee (not just because they use arabica beans, but because it is green infused with spices lie green cardamom and almost transparent in the glass). Fortunately they are somewhat healh-concscious and love dates, which are also described as one of the important parts of Ramadan by their Prophet. In this case the dates tasted indescribably tasty. Even though dates usually might not look all that appealing, any patisseur would have to come up with his very best creation to get even close to dates like this taste-wise.

 

Dhow

Diese Frage haben sich nicht nur zahlreiche Eltern gefragt, deren Kinder den abendlichen Gutenachgruß durch diverse Taktiken möglichst weit nach hinten schieben. Auch als gelegentlicher Nachtschwärmer habe ich mich das schon öfters gefragt. Die Feldstudie über Schlafentzug wurde dabei bislang in erster Linie durch Ausflüge in die großstädtische Nachtszene oder Besuch bei oder von Freunden und schließlich der Partnerin übernommen. Seltener waren Überstunden im Job und intensivere Phasen des Studierens oder die Lektüre eines fesselnden Buches. Da dies für den Großteil der Zeit nicht dem Alltag entsprach, oder zumindest in der Regel dazwischen ausreichend viele Nächte der Erholung lagen, möchte ich gerne feststellen, dass ich bislang verantwortungsvoll mit meiner schlafabhängigen Energie umgegangen bin.

Jetzt ist es Ramadan und die Uhren, bzw. der tägliche Rhythmus meiner Umgebung, scheint plötzlich anderen Gesetzen zu gehorchen. Aufgrund des Fastens und der für viele Leute reduzierten Arbeitszeit und Ferien etlicher Staatsangestellte, scheint das öffentliche Leben tagsüber weitgehend zum Erliegen zu kommen. In einem anderen Maßstab könnte ich das Gefühl gut mit dem Bild des verschlafenen südspanischen Dorfes zur Siestazeit illustrieren. Und sehr vergleichbar mit dem Wandel zur abendlichen Fiesta beginnen hier in Doha die öffentlichen Aktivitäten kurz vor dem Abendessen zu explodieren.

Zunächst kann man Leute beobachten, die in ihren Autos, müde und hungrig vom Tag, in großer Eile zum Fastenbrechen fahren. Etwas später kann man dann gestopft volle Cafés erleben. Auch die Straßen sind voll. Und das obwohl das Klima abends noch unangenehmer wird, als tagsüber. Sobald die Temperatur nach Sonnenuntergang nur wenige Grad sinkt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit ins garantierte Schwitzniveau.

Anstelle der in Europa populären Heizpilze gibt es hier Kühlpilze, oder genauer gesagt Außenklimaanlagen. Diese erzeugen zwischen den beiden Enden der Außensitzbereiche einen Luftstrom etwas kühlerer Luft und sehen aus wie eine Mischung aus eckiger Flugzeugturbine und Industrielüfter. Unterstützung bekommen diese von einer Armada an Ventilatoren mit integrierten Wasserzerstäubern. Und doch hält die Hitze die Menschen nicht davon ab selbst auf den unklimatisierten Märkten wie dem Souq Waqif abends leidenschaftlich gerne einkaufen zu gehen.

Als Folge dieser Umstände und meines Bedürfnisses nach sozialem Leben hat sich auch mein Schlafrhythmus deutlich in die Nacht verlagert. Da sich das Aufstehen aber nur begrenzt nach hinten verschieben lässt, schlafe ich einfach viel weniger als sonst. Selbst bei der Intention der gelegentlichen frühen Nacht rauben mir entweder eine im ganzen Haus herumflitzende Maus oder interessante aber langatmige Diskussionen über Religion weiteren Schlaf. Wenn ich dann aber im Bett liege, leistet mir die geräuschvolle Klimaanlage noch ein modernes und ziemlich monotones Gutenachtlied.

Auch da der großmütterliche Rat anders lautet und einige Wissenschaftler die angebliche Wichtigkeit regelmäßigen und frühen Schlafens betonen, frage ich mich, wie die Gesellschaft hier dauerhaft so funktionieren kann.

Ich verabschiede mich in eine schwüle und kurze Nacht, oder was davon noch übrig ist.

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Man nehme einen gemütlichen Raum, stellt bequeme Sitzmöbel rein, bereitet Shishas vor und stellt Süssigkeiten wie frische Datteln bereit. Und fertig ist das übliche Abendprogramm der älteren Qataris. Entgegen dem Klischee, dass Qataris ihre Freizeit überwiegend in Shopping-Centern oder in Restaurants verbringen, habe ich den Eindruck, dass die Generation ab 50+ Ihre Zeit am liebsten im Kreise der Familie und enger Freunde verbringt. Und das gerne stundenlang. Dabei möchte ich bemerken, dass die Männer und Frauen jeweils unter sich bleiben.

Für mich spannend sind die Begrüßungsgesten, die sich je nach Stand und Alter in der Familie unterscheiden. Kommt ein älteres Familienmitglied in den Raum, erheben sich alle Anwesenden, um den reihum gehenden Ankömmling zu begrüßen. Junge Familienmitglieder geben den älteren dabei wahlweise Nasenstupser oder sogar einen Kuss auf die Nase. Umarmungen waren sehr selten. Das Händeschütteln ist häufig. Je nach Rang oder Ehre gerne auch schon mal länger. Mir fällt auf, dass ich als Fremder generell häufiger begrüßt werde, als zum Beispiel Brüder ähnlichen Alters, die sich meist täglich sehen.

Bei diesen täglichen Treffen werden die wichtigen Familienangelegenheiten genauso wie Politik oder gesellschaftliche Ereignisse besprochen. Auffallend ist aber, dass nicht über die Arbeit gesprochen wird. Vielleicht ist dieser Umstand mitverantwortlich dafür, dass die Qataris die ich kenne, allesamt einen entspannten Eindruck auf mich machen. Auch Symptome wie Burn-Out, sind mir bislang nicht aufgefallen. Diese Reflexion ist sehr wohl subjektiv und vor weitergehender Beobachtung, lediglich mein erster Eindruck.

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Frische Datteln von den hauseigenen Palmen. Der dunkle Teil ist nahezu flüssig, der helle Teil noch leicht holzig und knusprig, etwa wie Äpfel der Sorte Granny Smith

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Ein Angestellter bereitet Glutwürfel für die Shishas vor.

20120722-024335.jpgQatar ist nicht nur das reichste Land der Welt (BIP/Kopf), sondern auch das dickste. Ungefähr die Hälfte der Erwachsenen ist fettleibig und gut 15 Prozent leiden an Diabetes. Verantwortlich dafür sind vor allem Bewegungsmangel und eine Liebe für Fastfood. Wie ich schon erwähnt habe ist eigentlich alles “Fast” Food, da viele Qataris unglaublich schnell essen. Ein Foto am Ende illustriert das humorvoll.

— Es ist ein gewisses Tabu, zu kritisieren, wie hier zwischen den Einheimischen geheiratet wird. Oftmals zwischen nahen Verwandten und nicht selten sogar zwischen Cousinen und Cousinen. Und das beschert den Qataris eine signifikante Zahl von Geburtsschäden und genetischen Erkrankungen. Das paradoxe daran: Jeder weiß davon, doch nur wenige handeln. Und das obwohl die Regierung mit großem Aufwand Kampagnen für das gesellschaftliche Bewusstsein dieser Probleme lanciert.

Mit den vorhandenen Ressourcen könnte Qatar in vielen Bereichen eine Vorbildrolle für andere Staaten einnehmen. Bislang beschränkt sich das aber neben einzelnen bemerkenswerten positiven Beispielen vor allem auf die monetären Möglichkeiten, die von Ländern mit weniger Bodenschätzen nicht kopiert werden können. Hervorzuheben sind eine überdurchschnittliche Frauenquote in den Toppositionen aller Wirtschaftssektoren und ebenfalls eine Frauenmehrheit an den Universitäten, sowie umfangreiche Stipendiatsprogramme für Leute aus armen Ländern, was vermutlich eine langfristig effektivere Aufbauhilfe darstellt, als Lastwagen voller Reis in diese Länder zu schicken. Wenn man bedenkt, dass sich Qatar innerhalb von nur zwei Generationen vom Stammeswesen zu schier unbegrenzten ökonischen Möglichkeiten, aber auch einem faulen, in klimatisierten Villas entspannenden Durchschnittsbürger entwickelt hat, überrascht diese Entwicklung nicht. Und doch finde ich es bemerkenswert, was sich bis heute entwickeln konnte.  Qatar ist ein sicheres und, gemessen an den anderen Golfstaaten, lieberales Land mit einer sich langsam herauskristallisierenden Demokratie und einem recht gut funktionierenden Rechtssystem. Es gibt Probleme, ja. Aber in Europa haben wir mehrere Jahrtausende benötigt, um vom Stammeswesen zur heutigen Gesellschaft zu gelangen. Mit dazwischen einigen hundert Jahren rechts- und friedenlosen Chaos.

Ich bin überzeugt, dass Qatar sich in vielen Bereichen weiter verbessern und auch einigen unserer mitteleuropäischen Standards annähern wird. Vielleicht aber wird Qatar in anderen Bereichen sogar an Europa vorbeiziehen. Möglicherweise dämmert es der Regierung irgendwann, dass man sogar zum Weltmarktführer der erneuerbaren Energien aufsteigen könnte. Bis das so weit ist, bleibt Qatar eines der Länder, die einen Pro Kopf Energieverbrauch von rund 10 Tonnen Ölequivalent haben und damit die Weltspitze anführen. Weltspitze sind auch die CO2-Emmisionen und der Wasserverbrauch pro Kopf. — Ich werde bald einen separaten Beitrag über diese Situation schreiben. Jetzt geht es zu einem Gespräch im Kulturberich. Ja, Sonntag ist der Montag in Qatar. Dafür sind Freitag und Samstag das Wochenende.

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Eine große Auswahl an Datteln, inmitten von Ramadandekoration.

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Gestern Abend durfte ich das Iftar im Kreise der Familie eines qatarischen Freundes erleben. Dazu trafen wir uns in der Familienmedjeles. Die Medjeles ist eine Art Familienwohnzimmer, die aber ein separates Gebäude ist und keinem Wohnhaus direkt angeschlossen ist. Dort gibt es mehrere große Räume, die je nach Funktion unterschiedlich eingerichtet sind. Zum Sitzen und Reden mit vielen Sesseln entlang der Wand. Zum Essen mit einem langen großen Perserteppich auf dem Boden. Und einzig zum Beten während des Ramadan ebenfalls mit Teppichen ausgestattet: in der Regel nur für Maghrib (Gebet nach dem Sonnenuntergang) sowie Isha (Nach Einbruch der Nacht) und Taraweeh (Nachtgebet zwischen Isha und Fajr [Morgengebet vor Sonnenaufgang]). Andere Nutzungen des dritten Raumes sind mir bislang nicht bekannt.

Zusätzlich besitzt diese Medjeles einen Waschraum, eine Küche und einen kleinen Innenhof. Die Ausstattung und Größe variiert stark und hängt vor allem vom Vermögen und Geltungsanspruch der Familie ab. Gemein haben aber alle Medjeles, dass sie ein Ort des Austauschs und der Geselligkeit sind, zu dem gelegentlich auch Freunde eingeladen werden. Die Traditionalisten unter den Qataris nutzen dazu auch gerne große Zelte. Im Sommer klimatisierte, im “Winter” klassische Beduinenzelte aus dicker Wolle. Bei der Elite der Qataris kann die Medjeles dann auch schon mal die Ausmaße eines kleinen Palastes einnehmen.

Zum Ablauf der Mahlzeit selbst kann ich nicht viel schreiben, außer dass von den knapp 35 Anwesenden während des Essens niemand auch nur ein Wort gesprochen hat. Nach einem Tag des Verzichts war der Hunger und Durst vermutlich so groß, dass das Essen andächtig geschah. Ich hebe das hervor, da die Essensrunden in der Vergangenheit zu gewöhnlichen Mahlzeiten mitunter ziemlich gesprächig waren und der Kontrast diesmal sehr groß. Da dies für Alle ein sehr privater Augenblick war, gibt es davon leider kein Foto. Ich überlass das eurer Fantasie. — Ich bin dankbar, auch als Nichtmuslim trotzdem als Gast an der Kultur teilhaben zu können. In manchen Ländern wäre das vielleicht nicht möglich.

Ein Platzhalter für die fehlenden Bilder des Iftar. Eine Hammer Kombination. Vollmundige Datteln mit geröstetem Sesam und vereinzelten Anissamen.

Es gab eine unüberschaubare Auswahl an herzhaften und süßen Gerichten, pflückfrischen und innen fast flüssigen Datteln und einigen Getränken, wie frischer Minzlimonade, Säften und Wasser. Beim anschließenden Beisammensein im “Loungeraum” wurden arabischer Kaffe in kleinen Gläschen und eine eiskalte Süßigkeit, die wie eine etwas übergroße weiche Praline mit leicht flüssigem Kern beschrieben werden kann, gereicht. — Doch trotz des Hungers haben die Qataris wie gewohnt extrem schnell, bzw. kurz gegessen. Alleine da ich das richtige Kauen beim essen bevorzuge, werde ich mich daran wohl nie gewöhnen. Zurück blieb ein Berg von Essen, der allerdings unter den Angestellten verteilt wurde.

Die einzigen Wolken, die heute hier zu sehen waren

Ich werde wohl die Nacht noch davon träumen, und wie so oft auch von kaltem Wetter und Regen. Ja, seid dankbar für den Niederschlag in Europa. Hier in Qatar regnet es durchschnittlich nur an 8 Tagen im Jahr. Und im Sommer ist die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90% nur dazu da, um den Körper noch schneller in den Schweiß zu treiben, zum Regen wird die im Sommer leider nie. Am Abend war es um 22:00 Uhr immer noch 39° C “warm”. Ciao

Wassermelone, geschnitzt

Eine Dekoration anlässlich des am 20.Juli beginnenden Ramadans.

Am kommenden Freitag beginnt für die muslimische Welt der wichtigste Monat des Jahres. Der Ramadan. Der Alltag dreht sich für Muslime fortan um das Fasten tagsüber und das allabendliche Fastenbrechen. Aber auch die Nichtmuslime müssen sich gezwungenermaßen an den veränderten Rhythmus anpassen. Ein Großteil der Restaurants hat tagsüber geschlossen, wie auch viele Supermärkte und andere Geschäfte. Auch das Verzehren von Speisen und Getränken, sowie Rauchen in der Öffentlichkeit wird als grober Affront gewertet und kann leicht zu einer Verwarnung durch die Polizei führen. Auch das öffentliche Tanzen und Singen sind einen Monat lang nicht erwünscht.

Also, wie läuft ein typische Tag für die Muslime im Land ab? Nach Sonnenuntergang wird Iftar verzehrt: Eine kleine Mahlzeit, wie Datteln, getrocknete Aprikosen und Säfte. Anschließend wird das Abendgebet gebetet. Erst danach wird ein üblicherweise opulentes Festmahl im Kreise der Familie und mit Freunden eingenommen. Traditionell sind dabei gegrillte ganze Tiere wie Lämmer oder Ziegen. Qatarische Freunde von mir grillen zu Anlässen wie diesem auch schon mal ein Babykamel! Dieses stammt dann vom eigenen Bauernhof. 

Neben Iftar wird Suhoor verzehrt. In Qatar passiert dies häufiger im Anschluss an Iftar und ufert auch zu richtigen Partys mit großen Buffets, Unterhaltungsprogrammen und Co. bis in die späte Nacht aus. Viele Menschen essen Suhoor allerdings tatsächlich kurz vor Sonnenaufgang. 

Nach Ende des Monats feiern die Muslime Eid Al-Fitr und Eid Al-Adha. Das erste ist das Feiern des Fastenendes. Das zweite ist das Opferfest, bei dem viele Tiere wie Schafe und Ziegen geschlachtet werden. Dieser Tag hat eine ökonomische Bedeutung wie die Weihnachtsfeiertage in der westlichen Welt. Die Menschen beschenken sich gegenseitig und verzehren eine große Zahl von aufwändigen und teuren Süssigkeiten. Außerdem werden die feinsten Kleider und sogar neue Möbel für diesen Anlass gekauft.

Und da sind wir bei einer großen Gemeinsamkeit unserer Kulturen: Der Konsum.

Ich bin gespannt, wie ich die nächsten fünf Wochen erlebe und werde euch berichten.

 

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Heute möchte ich ein wenig Licht in ein verbreitetes Vorurteil bringen. “Der Großteil der Menschen in Qatar arbeitet zu Hungerlöhnen für reiche Einheimische und besserverdienende Expats.” Es ist richtig, dass hierzulande eine Mehrheit der Menschen, die im Dienstleistungs-, Bausektor und der Gastronomie tätig sind, verglichen mit ausgebildeten Gastakademikern und den Einheimischen, ziemlich wenig verdienen. Es gibt dadurch eine Einkommensschere, die sehr viel ausgeprägter ist, als in Deutschland. Teilverantwortlich dafür ist auch der durch die Politik bislang nicht vollständig beantwortete Ruf dieser Gastarbeiter nach höheren Mindestlöhnen. Vor allem aber die Tatsache, dass das qatarische Wirtschaftswachstum ohne die Hilfe hunderttausender Gastarbeiter garnicht möglich wäre. Grundsätzlich erinnert mich das an ein Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte, als auch Deutschland massiv auf die Hilfe ausländischer Arbeitskräfte angewiesen war. Damals in Deutschland, wie heute in Qatar profitieren diese Gastarbeiter. Denn Gemeinsam haben Alle, dass Sie mehr Geld für Ihre Arbeit erhalten, als wenn Sie in der Heimat den gleichen Tätigkeiten nachgehen würden, falls Sie dort überhaupt Arbeit finden würden. Ich möchte nicht ausschließen, dass in der Zukunft wieder aus ökonomischer Not Menschen aus Europa auswandern, um woanders ihr Glück zu finden.

Ich begebe mich zwar auf dünnes Eis (das in Qatar auch in Sekunden schmelzen würde) wenn ich diese Realität aus meiner (heutigen) Perspektive bewerte; gelegentlich habe ich mich zu gedanklichen Urteilen hinreißen lassen. Ich realisiere aber immer mehr, dass dies die Realität eines Großteils der Weltwirtschaft ist. Mit dem Unterschied, dass ich hier nicht in einem Land wie Deutschland lebe, in dem ich mir heutzutage eine andere, angenehmere Realität suggerieren lassen kann. Dadurch dass ich die Arbeiter der Billiglohnländer nicht sehen muss, die an der Produktion meiner Kleider, Haushaltsgeräte, Autos oder sonstigen Besitztümer beteiligt waren.

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— Trotz allem freue ich mich, mit diesem Kontrast in Qatar konfrontiert zu werden. Er gibt mir die Möglichkeit, mein Bewusstsein für meinen Konsum zu schärfen.

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Zugegeben, über Geschmack lässt es sich vortrefflich streiten, aber ich bin nach vier Tagen in Qatar an einem Punkt, an dem ich mich frage, wie manche Menschen hier ihren Geschmack entwickelt haben. Und doch überwiegt dabei deutlich die Neugierde. Ein Bereich in dem auch die Zentraleuropäer geschmacklich leidenschaftlich gerne polarisieren, ist das Auto. Auch wenn mich Autos persönlich bislang wenig interessiert haben, komme ich nicht umher, täglich für mich absurde, dekadente, riesige Autos zu entdecken die alle gemeinsam haben, dass Sie für meine bisherigen Verhältnisse richtig teuer sind. Gerne bediene ich das Vorurteil, dass die reichen Araber nichts anderes machen als dicke Autos zu fahren. Die Realität ist, dass hier Alle dicke Autos fahren, wenn Sie sich dies leisten können, auch die Europäer. Das liegt am Benzinpreis von 12ct./Liter und auch an den verschwindend geringen Steuern auf alles (Mit Ausnahme der Einkommen, denn die sind steuerfrei). Aber ich schweife vom Geschmack ab.

Ich habe den Eindruck, dass die Jugendlichen möglichst auffällige (amerikanische) Autos fahren, wohingegen die wirklich reichen Leute sich in Qatar vor allem auf den obligatorischen Landcruiser für schweres Gelände und schweren Feierabendverkehr verlassen. — Für die entspannte Stadtfahrt am Wochenende greifen sie dann gerne auf Fahrzeuge aus Bayern und Baden Württemberg zurück.

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Spannend wird die Geschmacksfrage für mich aber erst bei Lebensmitteln. Denn die schmecken wir eben mit all unseren Sinnen (Nein, das ungegerbte und so charakteristisch riechende Leder unter dem Porschefahrersitz zählt nicht). Die Küche meiner derzeitigen Unterkunft wird im Prinzip von drei Nationalitäten genutzt. Indien, Schottland und Deutschland. Versucht einmal anhand der folgenden Bilder herauszufinden, welches Fach wem gehört! Der Kühlschrank ist entsprechend sehr ähnlich gefüllt.

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das Fach auf dem Foto unten ist doppelt so groß, weil es von zwei Personen einer Nationalität genutzt wird.

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Es ist natürlich Unfug, hieraus eine Verallgemeinerung für die jeweiligen Länder abzuleiten, aber es ist so verführerisch sich dem Stereotyp hinzugeben. Ich überlasse den Rest eurer Fantasie…

Oha, mir fällt auf, dass ich bisher fast nur über das Essen und die Hitze schreibe. In dem Sinne schicke ich euch allen eine große Portion Sommerhitze und wünsche mir richtiges Brot und eine kühle Brise am Abend von euch!

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Wie die meisten von euch wissen, essen manche Menschen ohne Besteck und benutzen stattdessen Ihre Hände. Die muslimischen Araber und insbesondere alle Golfanrainer benutzen aber lediglich die rechte Hand. Die linke Hand gilt als unrein. Wenn ich überlege, dass Toilettenpapier zumindest hier in Qatar nicht so beliebt ist…, dann kann ich das verstehen. Es gibt hier die identischen Wasserbrausen am Klo, wie in Finnland. Jedoch gibt es in Finnland noch die Kombination aus Papier und Brause.

Heute hatte ich jedoch die große Ehre zu einem exzellenten iranischen Restaurant zu gehen wo, wer hätte das gedacht, auch mit den Händen (der rechten Hand) gegessen wird.Es heißt El Dehleez Restaurant. Es gab “laham arabi ma3 mandhi”. Lamm auf Reis mit Sauce und mutierten Riesenrucolablättern die mit einer halben Zwiebel und drei Vierteln einer Zitrone garniert wurden. Das ganze wird auf einer Wegwerf”Tisch”decke angerichtet. Auf den ersten Blick spartanisch, aber lecker. Liebe Vegetarier, sorry! Aber das Fleisch war so zart, wie man es sich nur schwer vorstellen kann. Es fiel quasi beinahe selbsttätig vom Knochen. Allerdings wäre die Benutzung einer Gabel deutlich weniger lust- und Genussvoll gewesen als meine rechte Hand. Probiert mal aus, mit eurer Hand zu essen. Es lohnt sich. Überdies machen uns das unsere 1-3 Jährigen Zeitgenossen schon so schön vor.

Der Rhythmus ist das Gewönungsbedürftigste für mich in Doha. Vorhin, um 1:20 haben wir dann unser spätes Abendessen eingenommen. Eine extrem dünne Schawarmarolle. Wie aus 1001 Nacht. Nach geheimnisvollen Gewürzen und Kräutern duftend. Es wundert mich, dass das öffentliche Leben sich nicht vollständig in die kühleren Nachstunden verlagert. Allerdings sind durchaus viele der zahlreichen Baustellen tagsüber inaktiv. Nach Sonnenuntergang ertönt wieder das dann gespenstige Klopfen, Klingen und Hämmern eines wahren Heeres an Gastarbeitern aus den ärnsten asiatischen Ländern.

Gute Nacht und träumt schön von exotischen Speisen und Getränken.

Der erste Gang heute Morgen führte mich auf unsere Dachterasse. Die knapp 10 Minuten haben sich wie eine milde und trockene Sauna angefühlt, wohingegen meine Ankunft gestern sich noch wie eine Biosauna anfühlte, allerdings mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wie erwartet habe ich von oben kein Leben auf der Straße wahrgenommen. Und doch hat es sich gut angefühlt, nach den Wochen des Spätwinterwetters in Hamburg richtig gut durchgewärmt zu werden.

Was machen aber die anderen Einwohner, um mit der großen Wärme umzugehen? Alle Bau-, Straßen- oder Gartenarbeiter tragen einen Beduinenartige Kopfbedeckung und scheinen dadurch einigermaßen über die Runden zu kommen.

Die Inder trinken einen, Karak genannten, süßen, starken und ziemlich heißen Schwarztee mit Milch (den auch viele Qataris lieben). Und er hilft tatsächlich, auch wenn ich erstmal noch mehr schwitze. Außerdem essen diese, wie allseits bekannt auch hier höllisch scharfes Essen.

Die Qataris tragen lange Baumwollunterhosen unter “Thobe” genannten weißen langen Gewändern und Kopftuch. Die Frauen übrigens in Schwarz. „Warum das?” fragte ich verwundert. „Weil der schwarze Stoff noch dünner sein kann, ohne transparent zu werden” war die Antwort. Aha.

Inklusive der restlichen Leute halten sich aber alle, die es sich erlauben können, bevorzugt in klimatisierten Autos, Häusern oder Einkaufszentren auf. In den Malls kann man auch im Sommer sportlich aktiv herumlaufen, um die verbrannten Kalorien wieder mit allerlei ungesunden Zuckerwaren aufzufüllen. Ich habe den Eindruck, dass das Bruttoinlandsprodukt in Qatar zwar Konsumententräume wahr werden lässt, jedoch das Bewusstsein, wofür das Geld ausgegeben wird, bei einer Mehrheit der Einheimischen nicht sehr ausgeprägt ist. Also fast wie in Deutschland. Der Unterschied zu Europa ist, dass hier viele Menschen zusätzlich zum üppigen Geld auch verdammt viel Freizeit haben. Mein Eindruck ist, dass es keine Normalgewichtigen Qataris gibt. Entweder sind sie sehr schlank, oder sehr dick. Entsteht dieser Eindruck womöglich durch den Kleidungsstil?

Einige der Fragen, die mich überhaupt nach Qatar gebracht haben: welche Impulse könnten die Antriebslosigkeit und Komsumlust der jungen qatarischen Generation wandeln? Unter welchen Bedingungen kann sich die Identität der qatarischen Gesellschaft im eigenen Land neu erfinden? Und, was macht Qatar abgesehen vom Erdgasreichtum und einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt aus? Jedoch werde ich darauf bei anderer Gelegenheit tiefer eingehen.

Zum Abschluss dieses ungeplanten Blogeintrags schicke ich euch den Beweis, dass deutsches Bier auch bei den Arabern weit vorne mitmischt ;-). “ein Gruß in die Heimat”.

So long. Bis bald.

Holstenbier arabisch

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