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copyright by dohadude, 2012

Wie in sämtlichen Emiraten gibt es auch in Qatar recht selten Graffitis. Und meistens bestehen diese aus flüchtig auf die Wand gesprühten kurzen Sätzen. Auch wenn ich das Strafmaß für diese Form der Gebäudeverschönerung nicht kenne, vermute ich, dass die Angst vor Entdeckung, anspruchsvollere und aufwändigere Graffitis in Qatar effektiv verhindert.

An den großen öffentlichen Plätzen sind praktisch keine Graffitis zu entdecken; man findet diese vornehmlich in kleinen Seitenstraßen an älteren Gebäuden oder Mauern. Ich frage mich, warum diese wichtige zeitgenössische Kunstform ihren Weg noch nicht in das aufstrebende und sich öffnende Land Qatar gefunden hat. Neben der seltenen inoffiziellen Form fehlt die geduldete und geförderte Form von Wandgemälden oder Murals gänzlich. Es wäre eine öffentlichkeitswirksame Methode, um Qatars Bestreben als kleines großes Kunstland etwas volksnäher zu unterstreichen, als es die großen Museumsprojekte wie das qatarische Nationalmuseum vermögen.

Ich werde im Laufe der Zeit weitere seltene Fundstücke hier reinstellen. Aus politischen Gründen, muss ich leider im Moment darauf verzichten, Graffitis mit politisch brisanten Inhalten hier zu zeigen. Wer weiß, vielleicht ändert sich die Situation zur Meinungsfreiheit in Zukunft…

Die Fassade der goldenen Moschee ist fast vollständig mit vergoldetem Glasmosaik bedeckt.

Der kultur- und bei uns als museumsfrei bekannte Montag zwang mich gestern zur Nutzung freier Zeit. Auf dem Weg zum Iftar machte ich einen kleinen Umweg zu Katara. Der Beiname „The valley of cultures” verrät seine Funktion. Es handelt sich um eine dichte Ansammlung von Bildungseinrichtungen der bildenden-visuellen und darstellenden Kunst, Kinematographie sowie Musik umgeben von einer Oper, einer Schauspielbühne und einem zentralen griechischen Amphitheater. Daneben haben sich mehrere gemeinnützige Organisationen wie das Kinderkulturzentrum und außerdem ein Radiosender angesiedelt.

Zum befriedigen der kulinarischen Kulturlust gibt es eine verfeinerte Auswahl an Erlebnisgastronomie aus verschiedenen Ländern. Und zur Überraschung einmal kein Fast Food.

Das ganze wurde architektonisch geschickt in verwinkelten und schattenspendenen Gassen rings um das eindrucksvolle Amphitheater, welches sich zum Meer hin öffnet, angeordnet. Neben diesem erzeugen einige markante Gebäude wie die Katara Moschee und die „Goldene Moschee” oder mehrere Taubentürme aus Lehm ein ziemlich einzigartiges Flair. Zugegeben, aufgrund der frühen Stunde und des Ramadans, weshalb ich beinahe der einzige Besucher war, wirkte die Anlage noch ein wenig steril und erinnerte leicht an einen Vergnügungspark. Statt das ganze zu klimatisieren standen einige mehrsitzige Golfcarts samt Fahrer bereit, mich mich kostenlos durch die ganze Anlage zu führen. Bei über 43°C im Schatten gegen 17 Uhr war ich ganz dankbar dafür.

Beim Klangtest im Zentrum des Amphitheaters, bei dem selbst das leiseste Flüstern erwartungsgemäß glasklar von den Sitzrängen zurückschalte fühlte ich mich augenblicklich an eine Schulfahrt nach Griechenland und das Amphitheater von Epidauros zurückversetzt.

Amphietheater Katara

Das Amphietheater in Katara kurz vor Sonnenuntergang.

Das alles klingt nach einem geballten kulturellen Zentrum, ist aber im Vergleich zum Nachholbedarf  und Entwicklungspotenzial Qatars eher ein Tropfen auf dem heißen Wüstensand. Die weitere Entwicklung der nationalen Kulturszene vorausgesetzt, könnte sich dieser Tropfen aber schon bald zu einem Teich oder gar See entwickeln. Zumal sich zwei Drittel des Gesamtgeländes Kataras noch in der Bauphase befinden.

Schon oft habe ich die Kritik gehört, dass die Araber vermutlich denken, Sie könnten alles mit Geld kaufen. Ja, alles was man für Geld kaufen kann, können Sie sich tatsächlich kaufen. Und das konnten die Römer, Babylonier oder chinesischen Kaiser und auch andere vermögende Völker und Herrscher zu Ihrer Zeit. Ich finde nichts verwerflich daran, den Geltungsanspruch einer Nation in großartigen und auch teuren Bauwerken zu formulieren. Das Kolloseum in Rom, Versailles, das Taj Mahal oder gar Neuschwanstein sind Beispiele für solche, dem Überfluss entsprungene Bauwerke. Wenn diese, wie im Falle Kataras der Bevölkerung auch noch einen Sinn stiften, umso besser.

Dort wo jedoch allein die Größe oder Höhe und nicht Sinn und Funktion eines Bauwerkes Grundlage der Diskussion ist, habe ich meine Zweifel an der Nachhaltigkeit der Architektur für eine Gesellschaft.

Um beim französischen Beispiel zu bleiben, erlaube ich mir daran zu erinnern, dass ein Großteil der dort ausgestellten Kunstwerke Auftragsarbeiten reicher Kunstliebhaber sind. Mein Fazit: Wenn wir die Angst vor dem Identitätsverlust der europäischen Kunst- und Kulturszene ablegen, könnte auch die heimische Kultur von der Entwicklung und den finanziellen Möglichkeiten am persischen Golf nachhaltig profitieren.

Taubenhaus aus Lehm

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