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Über Qatar wurde in jüngster Zeit viel in den deutsche Medien berichtet. Vor einem Jahr war es das, für manche überraschende, militärische Eingreifen in Libyen. Vor knapp zwei Jahren stand die ebenfalls unerwartete Vergabe der Fußball Weltmeisterschaft 2022 an Katar im Mittelpunkt, und kürzlich wurde in Deutschland über den möglichen Export deutscher Rüstungsgüter in das kleine aber wachsende Land am persischen Golf debattiert.

Zum besseren Verständnis lohnt sich ein Blick in die jüngere Geschichte des Landes, angesichts dessen die Entwicklung der letzten Jahrzehnte besonders eindrucksvoll erscheint. —

Noch Anfang des letzten Jahrhunderts lebte Qatar wirtschaftlich vom Fischfang, dem Tauchen nach Perlen sowie dem Handel. Bis auf wenige Oasen im Landesinneren war das Land größtenteils nur in vereinzelten Küstensiedlungen bewohnt.

Dass Qatar vor einigen tausend Jahren eine dichte Vegetation aufwies und wesentlich dichter besiedelt war als heute, ist beim Anblick der Wüste schwer vorstellbar. Aufgrund seiner strategischen Lage war es in der Vergangenheit jedoch öfters das Ziel von Übernahmeversuchen, die jedoch auch mit Hilfe der Briten abgewehrt wurden.

Auch heute leben noch einige Zeitzeugen in Qatar, die ohne Klimaanlagen oder gar Elektrizität aufgewachsen sind. In mühevoller Arbeit rangen Sie der Wüste und dem Meer früher eine karge Lebensgrundlage ab. — Die Kinder der alten Generation und deren Kinder leben heute in einem Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und frei jeglicher wirtschaftlicher Bedürftigkeit. Die körperliche Arbeit, welche die „Gründungsväter“ des modernen Qatars noch intensiv betrieben, ist heute allein den zahlreichen Gastarbeitern vorbehalten. Die Folgen sind eine gefühlt weit verbreitete Passivität der jungen Generation sowie erhebliche Gesundheitsprobleme.

Der Staat hat darauf mit einer Reihe von Aktivitäten reagiert; Programme zur Förderung sportlicher Betätigung und der National Sports Day am zweiten Dienstag im Februar.

Zusätzlich versucht der Staat, die Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft zu wandeln. Durch die Kooperation mit einigen namhaften amerikanischen Universitäten, und durch die Förderung – und Einkauf – von Kunst und Kultur. Jedoch besteht mit der Qatar University auch ein längeres eigenes akademisches Streben dieses winzigen Erdölriesen. Bemerkenswert ist dort die mit über 70% relativ hohe Quote an weiblichen Studenten.

Den Zeichen wachsender Teilnahme der Frauen in der öffentlichen Gesellschaft stehen noch relativ strikte gesellschaftliche Normen entgegen, die aus westlicher Sicht schwer verständlich sind, jedoch eine tiefe Verwurzelung in der jüngeren Qatarischen Geschichte aufweisen. Diese Traditionen wirken aus deutscher Sicht eindeutig patriarchalisch. Angesichts der überwältigen Frauenmehrheit bei den zukünftigen Akademikern dürfte sich dieser Umstand in wenigen Generationen jedoch stark wandeln.

Neben der gesellschaftlichen Struktur kann man in Qatar leicht die Vielzahl an bestehenden Infrastrukturprojekten sehen. Angesichts der geplanten Fußball Weltmeisterschaft 2022 lassen sich bei anhaltendem oder vermutlich zunehmendem Entwicklungstempo auch unzählige zukünftige Bauvorhaben erahnen.

Was ist der Preis, den Qatar dafür zahlt? Eine Überwältigende Mehrheit ausländischer Fachkräfte sowie unqualifizierter Bauarbeiter steht eine wachsende, jedoch immer noch deutlich kleinere qatarische Bevölkerung gegenüber. Das hat ein Zusammentreffen verschiedenster Nationalitäten und Kulturen zur Folge, welche sich – fern der Heimat –  gegenüber den anderen Immigranten tendenziell eher abkapseln. Durch den überwiegend zeitlich begrenzten temporären Aufenthalt vieler Gastarbeiter wird dies noch verstärkt.

Die qatarische Bevölkerung hat andererseits mit einer Entfremdung der eigenen Traditionen und dem Verlust des kulturellen Erbes zu kämpfen. Auch das führt teilweise zu einer deutlichen Abgrenzung gegenüber anderen Nationalitäten, aber nicht zwangsläufig zu der Entwicklung einer klaren Identität Qatars.

Dabei ist Qatar eines der Länder, in denen die Umbrüche des arabischen Frühlings bislang die geringsten direkten Auswirkungen bewirkt haben. Dies ist ein Risiko und eine Chance zugleich. Abgesehen davon, dass Qatar im jetzigen Zustand für Investoren weiterhin eine Goldmine bleibt, hat Qatar eine vergleichsweise große Chance, zwischen dem Osten und dem Westen zu vermitteln. Vorausgesetzt, alle Menschen in Qatar beginnen, nach ihren Gemeinsamkeiten zu suchen anstatt der sekundären Unterschiede.

copyright by dohadude, 2012

Wie in sämtlichen Emiraten gibt es auch in Qatar recht selten Graffitis. Und meistens bestehen diese aus flüchtig auf die Wand gesprühten kurzen Sätzen. Auch wenn ich das Strafmaß für diese Form der Gebäudeverschönerung nicht kenne, vermute ich, dass die Angst vor Entdeckung, anspruchsvollere und aufwändigere Graffitis in Qatar effektiv verhindert.

An den großen öffentlichen Plätzen sind praktisch keine Graffitis zu entdecken; man findet diese vornehmlich in kleinen Seitenstraßen an älteren Gebäuden oder Mauern. Ich frage mich, warum diese wichtige zeitgenössische Kunstform ihren Weg noch nicht in das aufstrebende und sich öffnende Land Qatar gefunden hat. Neben der seltenen inoffiziellen Form fehlt die geduldete und geförderte Form von Wandgemälden oder Murals gänzlich. Es wäre eine öffentlichkeitswirksame Methode, um Qatars Bestreben als kleines großes Kunstland etwas volksnäher zu unterstreichen, als es die großen Museumsprojekte wie das qatarische Nationalmuseum vermögen.

Ich werde im Laufe der Zeit weitere seltene Fundstücke hier reinstellen. Aus politischen Gründen, muss ich leider im Moment darauf verzichten, Graffitis mit politisch brisanten Inhalten hier zu zeigen. Wer weiß, vielleicht ändert sich die Situation zur Meinungsfreiheit in Zukunft…

Wie angekündigt, teile ich jetzt meine Reflektionen über das vergangene Feiertagswochenende. Zunächst kann ich feststellen, dass sich mein Schlafrhythmus in den letzten Tagen des Ramadans nochmals drastisch nach hinten verlagert hat. Neben dem Besuch der Moschee in der 27. Nacht möchte ich insbesondere die Nacht des letzten Tages auf den Eid Feiertag hervorheben. Da habe ich garnicht geschlafen. Zum einen lag das an diversen sozialen Aktivitäten, zum anderen am frühmorgendlichen Eid Gebet um 5:20 Uhr. Auch diese Mal habe ich Freunde begleitet. Das Eidgebet wird traditionell unter freiem Himmel gebetet, in unserem Fall gingen wir in ein Fußballstadion dessen perfekt gepflegter Rasen hunderten Gläubigen Platz bot. Neben dem Ende des Ramadan markiert dieses Gebet den Beginn des Eid, im Volksmund auch Zuckerfest genannt. Dazu werden ähnlich zur Weihnachtszeit Unmengen von Essen gekauft, und die aufwändigsten und tollsten Gerichte Zubereitet, die die Familien beherrschen.

Neben dem Einkauf von Essen kaufen die Menschen neue Kleider, Möbel und auch Autos für den Feiertag und der Gang zum Frisör scheint mir beinahe obligatorisch. Der beobachtete Andrang war derart groß, dass die Frisöre keine Zeit hatten, zwischen den Kunden die geschnittenen Haare aufzukehren.

Mit Eid feiern die Muslime weltweit die Rückkehr zu Speis und Trank tagsüber und danken für die Kraft, den Ramadan erleben und überstehen zu dürfen. Nach meinem persönlichen Eindruck hat die Belastung durch Dehydrierung und Arbeit trotz Nahrungsverzicht in den letzten Tagen für die Mehrheit meiner Kontakte zugenommen. Öfter denn je hörte ich die Worte Kopfschmerzen, trockener Mund und große Müdigkeit. Die Stimmung jedoch war positiv und trotzdem empfand ich viele Menschen als viel geduldiger und zuvorkommender als sonst. Auch wenn im Geschäftsbereich Fehler passierten, waren diese nach der Fastenfrage schnell verziehen.

Da es mehrere freie Tage für die große Mehrheit der Angestellten gibt, wird der Anlass genutzt, um noch einmal vermehrt Freunde zu treffen und auszugehen. Da das Feiern nicht mehr sanktioniert wird, werden Feste veranstaltet und ausgelassen konsumiert bevor seit heute für viele wieder die regulären Arbeitszeiten gelten. Einige Firmen und die Regierung spendieren ihren Angestellten allerdings ein bis zu zwei Wochen Ferien.

Nun versucht fast Jeder sich wieder an den alten Rhythmus zu gewöhnen. Manche träumen aber noch dem Ramadan hinterher, der Besonnenheit und der vielen besonderen Momente. Obwohl es mir schwerfällt, gelingt mir der Wechsel durch Disziplin langsam aber sicher. Es bleibt die Frage was ich im Ramadan gelernt habe? Vielleicht die Wertschätzung der gegenseitigen Rücksichtnahme in einer Selbstbezogenen Gesellschaft. Vielleicht die Wichtigkeit des Teilens mit ärmeren Menschen. Vielleicht  aber auch die Besinnung auf mich selbst und meine eigenen Werte und Überzeugungen. Ich habe während dieses Monats kulturell gefastet. Mein bisheriges Leben wurde ohne Übergang drastisch verändert; die Entbehrungen waren zahlreich und haben mich Kraft und Geduld gekostet. Insgesamt bin ich aber dankbar für die Erfahrung und bereue nichts. Schließlich habe ich viele neue Menschen getroffen, meinen kulturellen Horizont stark erweitert und viel über mich selbst gelernt.

Nach der Sendepause der letzten Tage möchte ich einmal innehalten und bewusst noch vorne schauen. Langsam stellt sich bei mir ein Gefühl des Bekannten ein. Nicht vertraut, aber auch nicht mehr völlig fremd. Das merke ich äußerlich an meiner fast vollständigen Orientierungsfähigkeit in der Stadt, innerhlich daran, dass ich ein Gefühl dafür entwickelt habe, wie die Stadt funktioniert, wohin die Einheimischen gehen. Ich bin mir sicher, dass sich meine Reflektionen auf subtilere Themen konzentrieren wird, da mein Blick des Außenseiters von Verlust bedroht ist. Ohne Anstrengung werden mir die schnellen Observationen über das alltägliche Leben in Qatar in Zukunft nicht mehr so leicht gelingen.

Das lässt mich zwar wehmütig werden, aber auch zufrieden. Jede Periode der Ankunft in einer neuen Stadt oder einem neuen Land wird in der Regel begleitet vom Konflikt zwischen Anpassung oder Bewahrung der alten Identität. Letztendlich ist zumindest ein Mittelweg aus beidem langfristig unvermeidlich. Auch deshalb wechseln beispielsweise Diplomaten ihren Einsatzort im Ausland nach einer gewissen Zeit, um den eigenen kulturellen Nenner nicht aus den Augen zu verlieren oder gar bewusst aufzugeben.

Mir ist bewusst, dass sich die Phasen einer Neuankunft an einem Ort wandeln. Ich bekämpfe das nicht, sondern freue mich auf die neuen Erfahrungen und die neuen Möglichkeiten die damit einhergehen.

Eine Beobachtung ist, dass mir Privilegien zuteil werden, die viele meiner nichtdeutschen Bekannten nicht genießen. Unklar ist mir dabei, ob es tatsächlich an meiner Nationalität oder einfach an meiner Hautfarbe liegt. Ja, das ist Rassismus. Ich habe die Absicht, diese Privilegien zum Wohle vieler einzusetzen. Ändern kann ich nichts an dem Umständen, außer durch Offenheit prinzipiell jeder Nationalität gegenüber. Scheinbar paradox mutet mir die Tatsache an, dass zum Beispiel in Sicherheitsfirmen mit Angestellten aus Ländern mit weniger privilegierten Status in Qatar, regelmäßig ihre eigenen Landsleute verschiedener Orte verweisen, die mir uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Ob das schale Gefühl, welches ich dadurch gewinne abnimmt, weiß ich nicht. Und eigentlich habe ich kein Interesse dass dieses Gefühl jemals verschwindet.

Q a T a R

So wird Qatar auf Arabisch geschrieben. Hier ein Beispiel dreier Lichtskulpturen im Kulturdorf Katara.

//English
The word Qatar in Arabic.

Heute werde ich nur eine kurze Empfehlung für eine Ausstellung und den dazugehörigen Webauftritt geben. Anlässlich der olympischen Spiele 2012 zeigt die Qatar Museum Authority den symbiotischen Erfolg der vergangenen Spiele und der darüber berichtenden Medien anhand von diversen Exponaten. Sozusagen als live Exponat werden zusätzlich auf einer Leinwand die aktuellen Spiele übertragen. Das in der Ausstellung Erfahrende kann also direkt am lebenden Objekt überprüft und hinterfragt werden. Großartig!

Es gibt einige interessante historische Hintergründe und Bilder auf der begleitenden Website

 


Jump to the english text

Vor kurzem habe ich es endlich geschafft, zu den veränderten Öffnungszeiten das Museum für Islamische Kunst wieder einmal von innen zu besichtigen. Dieser bereits in meinem Artikel vom 30.Juli beschriebene Bau ist von innen nicht weniger beeindruckend als von außen. Persönlich gefällt mir der Innenraum sogar noch besser, da erst von dort die gesamten Dimensionen des hallenartigen (50m hohen) Atriums erfasst werden können. Zusammen mit einem befreundeten Architekt, mit dem ich auf Entdeckungsreise gegangen bin, haben wir uns an den zahlreichen zu entdeckenden Details auch nach über einer guten halben Stunde kaum sattsehen können.


Wo auf den ersten Blick Atrium den Ausstellungen die Show stehlt, sind die Ausstellungsräume selbst schlicht, dunkel und geben den Objekten mithilfe von Spotlichtern die gebührende Inszenierung. Auffallend sind die verbauten Materialien für Decke, Wände, Geländer und Raumteiler. Gefräster Granit, gebürstet Holz, ein nicht genauer definierbares perforiertes kunstharzähnliches Material und das allgegenwärtige Glas der Vitrinen, das durch die Dunkelheit der Räume fast unsichtbar wirkt.

Eine kleine Vogelstatue aus massivem Gold, besetzt mit diversen farbintensiven hochkarätigen Edelsteinen

Wie fast überall in Qatar ist der Innenraum sehr stark klimatisiert, weshalb ein Besuch recht ermüdend ist und ich selten mehr als einen kleinen Ausschnitt der Ausstellungen anschaue. Ein kleiner Geheimtipp, zumindest zur Ramadanzeit ist das kleine Café im Atrium vor dem fünfstöckigen Fenster mit Blick auf die Bucht und speziell die Skyline Dohas. Es gibt dort keinen Shisharauch es ist angenehm ruhig und man findet problemlos einen Parkplatz. Wer je einen Dohabesuch wagt, sollte unbedingt einen Ausflug in dieses Museum einplanen. Es bleibt spannend, was Qatar zukünftig an weiteren sehenswerten Museen aus dem Ärmel zaubert.

 

// English

Despite the Ramadan timing I’ve recently finally managed to visit the Museum of Islamic Art from the inside once again. This building, that I already described in my previous post, is no less impressive from the inside than from outside. Personally I like the interior even better than the exterior. It is only there that you can grasp the overall dimension of the (50m high) atrium that has a dome at the top. Together with a fellow architect, with whom I went this time, we had to make an effort to discover all the little details.

While the entrance attempts to steal the show from the exhibits, once in the exhibition halls, the picture changes. The rooms are simple, dark and give the objects the proper staging using spotlights. I like to remark the the materials used for ceilings, walls, railings and partitions. Carved granite, brushed wood, and an unknown perforated artificial resin-like and sound-absorbing material are accompanied by the very present glass of the display cases, which becomes almost invisible, due to the darkness of the rooms.

Like almost everywhere in Qatar, the interior is air conditioned down to arctic temperatures, which is in contrast to the blistering heat outside. Thus a visit to the MOIA is quite tiring in my opinion and this lets me rarely look at just a small part of the exhibitions in one visit. A good tip, at least during Ramadan is the small cafe in the atrium, which overlooks the bay with a backtrack of Doha`s Skyline. Furthermore there is no smoke from the usual hookahs, it is quiet and you have no trouble to find a parking spot. All not quite the standard in Doha.

If you ever want to visit Doha, I highly recommend you to plan a trip to the Museum of Islamic Art.
See the rest of the photos at the top

Wenn sich Konversationen in der Vergangenheit um Qatar drehten, dann war die Qatar Foundation ziemlich sicher eine der qatarischen Institutionen, die meine Gesprächspartner kannten. Warum? Vielleicht liegt es am historischen Sponsorenvertrag mit dem FC Barcelona, übrigens der erste in der 113 Jahre langen Clubgeschichte. Vielleicht liegt es an dem seit wenigen Jahren ausgeschriebenen WISE Preis für Bildung über gut 400.000 €, oder dem drumherum stattfindenden WISE Gipfel für Exzellenz in der Bildung. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der schieren Größe der Investitionen, die durch die Qatar Foundation bisher getätigt wurden. Zurück zum Anfang, was ist die QF überhaupt?

1995 vom qatarischen Staatschef Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani als halbprivate Stiftung gegründet, strebt QF die Entwicklung der qatarischen Gesellschaft von einer Rohstoff- hin zu einer Wissensgesellschaft an. Insbesondere über Investitionen in eine Bildungs- und Forschungsinfrastruktur. Neben der Ansiedelung von Ablegern einiger, überwiegend US-amerikanischer, Topuniversitäten geht es aber auch um Grundlagenarbeit wie die Erhöhung der Alphabetisierung und  das Bewahren des kulturellen Erbes Qatars.

Zugegeben, das klingt nicht nur ambitioniert, sondern ruft auch so manche Kritiker auf den Plan. Eine schon öfter gehörte Meinung reduziert die Ziele der QF auf medienwirksames philanthropisches Schaulaufen.

Weniger bekannt, aber vermutlich nicht weniger wichtig sind beispielsweise die Zusammenarbeit mit Wikimedia zur Unterstützung einer wachsenden arabischen Wikipedia, eine Initiative zur Ansiedelung einer Solarindustrie in Qatar oder Aufklärungskampagnen über Diabetes (eine stark verbreitete Krankheit in Qatar).

Würde das Fortbestehen der starken Universtitätsgeschichte, die Europa in Jahrhunderten erhielt, durch die kräftige und einseitige Geldspritze eines ressourcenreichen Landes wirklich bedroht? Die Tatsache, dass der Großteil der zunächst hier angesiedelten Universitätsableger aus Nordamerika stammt, kann das nordatlantische Kräfteverhältnis im Bildungssektor tendenziell sogar weiter zu Europas Ungunsten verschieben. Bildungseinrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum kooperieren bislang erst sehr zaghaft in vereinzelten Projekten mit Qatar. Ich halte es daher für überfällig, bei den Trägern in der Heimat für eine Expansion zu plädieren. Auch wenn dies auf den ersten Blick eine Aufgabe der Politik zu sein scheint, könnte ein starker Impuls zur Zusammenarbeit auch von den Einrichtungen selbst, und dort von den Professoren und Studenten ausgehen. Dafür sprechen meine Erfahrungen in internationalen Projekten verschiedener Hochschulen. Die Frage bleibt: unter welchen Umständen gelingt eine Kooperation über den einseitigen Geldfluss von der einen und den einseitigen Ausverkauf des Wissens von der anderen Seite hinaus? Mein Fazit: Durch die Kooperation europäischer Universitäten und Museen mit Qatar werden die Möglichkeiten des länderübergreifenden Erkenntnisgewinns nicht nur auf akademischen Niveau erweitert; diese Kooperationen können auch zu einem interkulturellen Dialog führen und die gegenseitig existierenden Vorurteile abbauen.

Trotz der heutigen Aktivitäten ist es ein formuliertes Ziel, dass Qatar sich irgendwann in der Zukunft aus eigener Kraft und mit heimischen Fachkräften, international angesehene Bildungs- und Forschungseinrichtungen schafft. Bis dahin wird jedenfalls noch viel Wasser aus dem persischen Golf verdunsten. …

Äußerlich sichtbar sind die Aktivitäten der QF vor allem an den zahlreichen Bauwerken der sogenannten Education City. Für architektonisch erwähnenswert halte ich neben den erwähnten Universitäten insbesondere das Technologiezentrum (QSTP), Das Kongresszentrum (QNCC), das Sidra Medizin- und Forschungszentrum (SMRC) und das Al Shaqab Reitzentrum (ASEC). In ihrer respektiven Domäne handelt es sich bereits architektonisch um Weltklasseeinrichtungen. Es würde mich nicht wundern, wenn die inneren Qualitäten ebenfalls herausragend sind oder im Fall vom noch nicht eröffneten Sidra noch werden.

Das ist erst der Anfang. Das größte im Bau befindliche Projekt der Qatar Foundation ist derweil Msheireb. Ein Stadtviertel am historischen Ortskern Dohas. Weitere Informationen dazu finden sich in meinem älteren Artikel.

Derweil ist die Qatar Foundation nicht nur einer der größten Investoren in Qatar, sondern auch einer der attraktivsten Arbeitgeber Qatars, der keinen direkten Bezug zur Öl- oder Gaswirtschaft hat. Für weitere Infos auf Englisch könnt ihr ebenfalls die Website besuchen.

Als Schlussgedanken möchte ich das Potential einer Zusammenarbeit mit der QF für Deutschland skizzieren. Heutzutage konzentriert sich der Gewinn Deutschlands überwiegend auf den Export von Kfz, Anlagen, und Maschinen und zahlreiche deutsche Firmen sind im Anlagenbau und der Bauwirtschaft tätig. Das auswärtige Amt benennt für die Importe ein Außenhandelsüberschuss von gut 1,1 Mrd. € (2010).
Dieser könnte sich mit dem geplanten U-Bahnsystem in Doha, einer aufkeimenden Solarindustrie und den weiteren geplanten Bauvorhaben für die Fußballweltmeisterschaft 2022 nochmals drastisch vergrößern.

Sollte Qatar der Bau einer Gaspipeline nach Europa gelingen (was erst nach Beenden der Umwälzungen in Syrien möglich sein dürfte), wird das Ungleichgewicht nochmals explodieren. [Als Randnotiz: dies ist eine mögliche Erklärung für Russlands andauernde Unterstützung des syrischen Regimes.]

Im Gegensatz zum Export technischer Güter, ließe sich auch deutsche Kultur nach Qatar bringen. In Form von Brötchen, Brot und alkoholfreiem Bier. Obwohl…, das Bier, welches sich hier vornehm Malzgetränk nennt, gibt es ja bereits. Bleiben also die Backwaren. Da die deutsche Bevölkerung in Qatar allerdings recht überschaubar ist, bliebe ein Erfolg von Roggenbrötchen und Sauerteigbrot ungewiss…

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Im Anschluss an meinen letzten Eintrag möchte ich von einer Erfahrung am Abend berichten. Ich war mit zwei Freunden im Souq Waqeef, dem traditionellen „Stehbazar” unterwegs und unverhofft habe ich einige Ecken entdeckt, von deren Existenz ich vorher nichtmal gehört habe. Im besonderen geht es um einen indischen Gewürzladen in welchem sehr ästhetisch verschiedene Gewürze präsentiert waren. Bereits beim Betreten des Ladens stiegen wunderbar vertraute und andererseits gänzlich fremde Düfte in die Nase.

Im Gegensatz zum üblichen Asiastore mit der recht ansehnlichen Auswahl indischer Gewürze in kleinen Päckchen, durfte ich hier feststellen, dass alleine drei Qualitätsstufen grünen Kardamoms angeboten wurden. Mein unwissendes Auge konnte lediglich geringe Größenunterschiede wahrnehmen. Auch verschiedene Trocknungsstufen von Anissamen haben meine kulinarische Fantasie angeregt. So langsam wächst auch meine Lust selbst zu kochen, trotz des fantastischen Angebots bezahlbarer und toller Restaurants, immer weiter.

Eine Frage bleibt seit dem Besuch in meinem Kopf: Warum habe ich den Eindruck, dass die Qualität merklich besser als woanders ist und die Preise trotzdem teilweise um die Hälfte unter den üblichen Supermarktpreisen liegen? Ich werde es möglicherweise herausfinden.

Die Fassade der goldenen Moschee ist fast vollständig mit vergoldetem Glasmosaik bedeckt.

Der kultur- und bei uns als museumsfrei bekannte Montag zwang mich gestern zur Nutzung freier Zeit. Auf dem Weg zum Iftar machte ich einen kleinen Umweg zu Katara. Der Beiname „The valley of cultures” verrät seine Funktion. Es handelt sich um eine dichte Ansammlung von Bildungseinrichtungen der bildenden-visuellen und darstellenden Kunst, Kinematographie sowie Musik umgeben von einer Oper, einer Schauspielbühne und einem zentralen griechischen Amphitheater. Daneben haben sich mehrere gemeinnützige Organisationen wie das Kinderkulturzentrum und außerdem ein Radiosender angesiedelt.

Zum befriedigen der kulinarischen Kulturlust gibt es eine verfeinerte Auswahl an Erlebnisgastronomie aus verschiedenen Ländern. Und zur Überraschung einmal kein Fast Food.

Das ganze wurde architektonisch geschickt in verwinkelten und schattenspendenen Gassen rings um das eindrucksvolle Amphitheater, welches sich zum Meer hin öffnet, angeordnet. Neben diesem erzeugen einige markante Gebäude wie die Katara Moschee und die „Goldene Moschee” oder mehrere Taubentürme aus Lehm ein ziemlich einzigartiges Flair. Zugegeben, aufgrund der frühen Stunde und des Ramadans, weshalb ich beinahe der einzige Besucher war, wirkte die Anlage noch ein wenig steril und erinnerte leicht an einen Vergnügungspark. Statt das ganze zu klimatisieren standen einige mehrsitzige Golfcarts samt Fahrer bereit, mich mich kostenlos durch die ganze Anlage zu führen. Bei über 43°C im Schatten gegen 17 Uhr war ich ganz dankbar dafür.

Beim Klangtest im Zentrum des Amphitheaters, bei dem selbst das leiseste Flüstern erwartungsgemäß glasklar von den Sitzrängen zurückschalte fühlte ich mich augenblicklich an eine Schulfahrt nach Griechenland und das Amphitheater von Epidauros zurückversetzt.

Amphietheater Katara

Das Amphietheater in Katara kurz vor Sonnenuntergang.

Das alles klingt nach einem geballten kulturellen Zentrum, ist aber im Vergleich zum Nachholbedarf  und Entwicklungspotenzial Qatars eher ein Tropfen auf dem heißen Wüstensand. Die weitere Entwicklung der nationalen Kulturszene vorausgesetzt, könnte sich dieser Tropfen aber schon bald zu einem Teich oder gar See entwickeln. Zumal sich zwei Drittel des Gesamtgeländes Kataras noch in der Bauphase befinden.

Schon oft habe ich die Kritik gehört, dass die Araber vermutlich denken, Sie könnten alles mit Geld kaufen. Ja, alles was man für Geld kaufen kann, können Sie sich tatsächlich kaufen. Und das konnten die Römer, Babylonier oder chinesischen Kaiser und auch andere vermögende Völker und Herrscher zu Ihrer Zeit. Ich finde nichts verwerflich daran, den Geltungsanspruch einer Nation in großartigen und auch teuren Bauwerken zu formulieren. Das Kolloseum in Rom, Versailles, das Taj Mahal oder gar Neuschwanstein sind Beispiele für solche, dem Überfluss entsprungene Bauwerke. Wenn diese, wie im Falle Kataras der Bevölkerung auch noch einen Sinn stiften, umso besser.

Dort wo jedoch allein die Größe oder Höhe und nicht Sinn und Funktion eines Bauwerkes Grundlage der Diskussion ist, habe ich meine Zweifel an der Nachhaltigkeit der Architektur für eine Gesellschaft.

Um beim französischen Beispiel zu bleiben, erlaube ich mir daran zu erinnern, dass ein Großteil der dort ausgestellten Kunstwerke Auftragsarbeiten reicher Kunstliebhaber sind. Mein Fazit: Wenn wir die Angst vor dem Identitätsverlust der europäischen Kunst- und Kulturszene ablegen, könnte auch die heimische Kultur von der Entwicklung und den finanziellen Möglichkeiten am persischen Golf nachhaltig profitieren.

Taubenhaus aus Lehm

Gestern Abend durfte ich das Iftar im Kreise der Familie eines qatarischen Freundes erleben. Dazu trafen wir uns in der Familienmedjeles. Die Medjeles ist eine Art Familienwohnzimmer, die aber ein separates Gebäude ist und keinem Wohnhaus direkt angeschlossen ist. Dort gibt es mehrere große Räume, die je nach Funktion unterschiedlich eingerichtet sind. Zum Sitzen und Reden mit vielen Sesseln entlang der Wand. Zum Essen mit einem langen großen Perserteppich auf dem Boden. Und einzig zum Beten während des Ramadan ebenfalls mit Teppichen ausgestattet: in der Regel nur für Maghrib (Gebet nach dem Sonnenuntergang) sowie Isha (Nach Einbruch der Nacht) und Taraweeh (Nachtgebet zwischen Isha und Fajr [Morgengebet vor Sonnenaufgang]). Andere Nutzungen des dritten Raumes sind mir bislang nicht bekannt.

Zusätzlich besitzt diese Medjeles einen Waschraum, eine Küche und einen kleinen Innenhof. Die Ausstattung und Größe variiert stark und hängt vor allem vom Vermögen und Geltungsanspruch der Familie ab. Gemein haben aber alle Medjeles, dass sie ein Ort des Austauschs und der Geselligkeit sind, zu dem gelegentlich auch Freunde eingeladen werden. Die Traditionalisten unter den Qataris nutzen dazu auch gerne große Zelte. Im Sommer klimatisierte, im “Winter” klassische Beduinenzelte aus dicker Wolle. Bei der Elite der Qataris kann die Medjeles dann auch schon mal die Ausmaße eines kleinen Palastes einnehmen.

Zum Ablauf der Mahlzeit selbst kann ich nicht viel schreiben, außer dass von den knapp 35 Anwesenden während des Essens niemand auch nur ein Wort gesprochen hat. Nach einem Tag des Verzichts war der Hunger und Durst vermutlich so groß, dass das Essen andächtig geschah. Ich hebe das hervor, da die Essensrunden in der Vergangenheit zu gewöhnlichen Mahlzeiten mitunter ziemlich gesprächig waren und der Kontrast diesmal sehr groß. Da dies für Alle ein sehr privater Augenblick war, gibt es davon leider kein Foto. Ich überlass das eurer Fantasie. — Ich bin dankbar, auch als Nichtmuslim trotzdem als Gast an der Kultur teilhaben zu können. In manchen Ländern wäre das vielleicht nicht möglich.

Ein Platzhalter für die fehlenden Bilder des Iftar. Eine Hammer Kombination. Vollmundige Datteln mit geröstetem Sesam und vereinzelten Anissamen.

Es gab eine unüberschaubare Auswahl an herzhaften und süßen Gerichten, pflückfrischen und innen fast flüssigen Datteln und einigen Getränken, wie frischer Minzlimonade, Säften und Wasser. Beim anschließenden Beisammensein im “Loungeraum” wurden arabischer Kaffe in kleinen Gläschen und eine eiskalte Süßigkeit, die wie eine etwas übergroße weiche Praline mit leicht flüssigem Kern beschrieben werden kann, gereicht. — Doch trotz des Hungers haben die Qataris wie gewohnt extrem schnell, bzw. kurz gegessen. Alleine da ich das richtige Kauen beim essen bevorzuge, werde ich mich daran wohl nie gewöhnen. Zurück blieb ein Berg von Essen, der allerdings unter den Angestellten verteilt wurde.

Die einzigen Wolken, die heute hier zu sehen waren

Ich werde wohl die Nacht noch davon träumen, und wie so oft auch von kaltem Wetter und Regen. Ja, seid dankbar für den Niederschlag in Europa. Hier in Qatar regnet es durchschnittlich nur an 8 Tagen im Jahr. Und im Sommer ist die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90% nur dazu da, um den Körper noch schneller in den Schweiß zu treiben, zum Regen wird die im Sommer leider nie. Am Abend war es um 22:00 Uhr immer noch 39° C “warm”. Ciao

Ramadan in Doha

An example of the mosaics you can find often in Qatar.

Wassermelone, geschnitzt

Eine Dekoration anlässlich des am 20.Juli beginnenden Ramadans.

Am kommenden Freitag beginnt für die muslimische Welt der wichtigste Monat des Jahres. Der Ramadan. Der Alltag dreht sich für Muslime fortan um das Fasten tagsüber und das allabendliche Fastenbrechen. Aber auch die Nichtmuslime müssen sich gezwungenermaßen an den veränderten Rhythmus anpassen. Ein Großteil der Restaurants hat tagsüber geschlossen, wie auch viele Supermärkte und andere Geschäfte. Auch das Verzehren von Speisen und Getränken, sowie Rauchen in der Öffentlichkeit wird als grober Affront gewertet und kann leicht zu einer Verwarnung durch die Polizei führen. Auch das öffentliche Tanzen und Singen sind einen Monat lang nicht erwünscht.

Also, wie läuft ein typische Tag für die Muslime im Land ab? Nach Sonnenuntergang wird Iftar verzehrt: Eine kleine Mahlzeit, wie Datteln, getrocknete Aprikosen und Säfte. Anschließend wird das Abendgebet gebetet. Erst danach wird ein üblicherweise opulentes Festmahl im Kreise der Familie und mit Freunden eingenommen. Traditionell sind dabei gegrillte ganze Tiere wie Lämmer oder Ziegen. Qatarische Freunde von mir grillen zu Anlässen wie diesem auch schon mal ein Babykamel! Dieses stammt dann vom eigenen Bauernhof. 

Neben Iftar wird Suhoor verzehrt. In Qatar passiert dies häufiger im Anschluss an Iftar und ufert auch zu richtigen Partys mit großen Buffets, Unterhaltungsprogrammen und Co. bis in die späte Nacht aus. Viele Menschen essen Suhoor allerdings tatsächlich kurz vor Sonnenaufgang. 

Nach Ende des Monats feiern die Muslime Eid Al-Fitr und Eid Al-Adha. Das erste ist das Feiern des Fastenendes. Das zweite ist das Opferfest, bei dem viele Tiere wie Schafe und Ziegen geschlachtet werden. Dieser Tag hat eine ökonomische Bedeutung wie die Weihnachtsfeiertage in der westlichen Welt. Die Menschen beschenken sich gegenseitig und verzehren eine große Zahl von aufwändigen und teuren Süssigkeiten. Außerdem werden die feinsten Kleider und sogar neue Möbel für diesen Anlass gekauft.

Und da sind wir bei einer großen Gemeinsamkeit unserer Kulturen: Der Konsum.

Ich bin gespannt, wie ich die nächsten fünf Wochen erlebe und werde euch berichten.

 

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Msheireb. Ein neues Viertel entsteht. Auch als Laie erschließt sich mir die stadtplanerische Genialität die möglicherweise in diesem Konzept verborgen liegt. In diesem Stadtviertel das, bis auf ein paar alte Gebäude, vollständig neu gebaut wird, sollen sich die alten Traditionen Qatars mit der urbanen Infrastruktur des 21. Jahrhunderts vereinen. Ganz im Gegensatz zu den unter den Einheimischen heute weit verbreiteten frei stehenden Villen, soll hier eine verschachtelte und der alten Dorfstruktur nachempfundene Bebauung entstehen. Für mich logisch, dass die Meeresbrise bewusst zur Kühlung in das Viertel geleitet wird, auch logisch, dass eine Straßenbahn den Großteil des Nahverkehrs übernehmen werden soll. So weit der Plan in der Theorie. Ich bin skeptisch, ob ein solcher Wurf aus dem Ärmel die hiesige Gesellschaft kulturell verändern wird. Ob das enge Verhältnis zum Auto in einer sinnvollen Nutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel, oder die Abschottung hinter den Wänden der Familienvilla in einer urbanen und kommunikativen Stadtatmosphäre aufgehen wird? Ich habe große Zweifel.

— Auch wenn das Ergebnis ungewiss und der beabsichtigte kulturelle Impuls vielleicht nur kosmetisch wirkt: Der Versuch ist lohnend und angesichts der gegenwärtigen Situation umso beeindruckender.

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— Anfang des 20. Jahrhunderts war Doha eine größere Ansammlung von Lehmhütten die größtenteils von perlentauchenden sesshaft gewordenen Beduinen bewohnt wurden. Heute ist es die Hauptstadt des Staates mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit (kaufkraftbereinigt). Auch wenn ich schon oft Kommentare gehört habe, dass den Qataris nicht viel anderes einfällt, als mit ihrem scheinbar endlosen Öl- und Gasgeld um sich zu schmeißen, gibt es in Qatar einige visionäre Vordenker. Sie stellen Fragen, deren Beantwortung womöglich der Schlüssel zu einer ökonomischen, und kulturellen Selbstständigkeit in der Post-Rohstoffäre sein kann.

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Um euch etwas zu verraten. Der Grund meines Aufenthaltes in Qatar ist nicht, Lösungen für die Herausforderungen zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen.

Damit verabschiede ich mich in eine schwüle Nacht. So weit.

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