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The care-packages that were handed out during the Iftar drive

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Auf Einladung eines Freundes habe ich gestern eine Freiwilligengruppe von rund 70 Leuten beim alljährlich veranstalteten Iftar-Drive verstärkt. Die Idee ist, an zwei prominenten Kreuzungen mit kleinen Versorgungspaketen zu stehen und diese kurz vor Fastenbrechen an die Autofahrer abzugeben, welche aufgrund ihres Berufes oder anderer Verpflichtungen nicht pünktlich zum eigentlichen Iftar gehen können. Die Pakete enthielten Wasser, Datteln, Saft und ein süßes Gebäck wie Mammoul.

Etwa anderthalb Stunden vor der Aktion wurden die mehrere Tausend Päckchen auf etwa zwei Dutzend Autos verteilt und die verschiedenen etwa 5 Köpfe starken Teams postierten sich an allen Bereichen der beiden Straßenkreuzungen. Von den Einheimischen werden diese nach den jeweils landschaftsprägenden Bauwerken nur Ramada Intersection und Toyota Towers Intersection genannt. Gegen 18:30 waren unzählige Autos versorgt und unsere Vorräte aufgebraucht.

Auch wenn das ganze einen karitativen Charakter hatte, setzen sich die Empfänger aus ganz unterschiedlichen Gruppen zusammen. Es gibt die Busse voller Bauarbeiter, die mit diesem Paket tatsächlich eine für sie außergewöhnliche Gabe erhalten. Die Dankbarkeit und das Lächeln dieser Gruppe war mit abstand am größten und hat die Mühe und Anstrengung und eingeatmeten Abgase vielfach kompensiert. Daneben gab es aber auch einfach Familien oder Einzelpersonen, welche alle Arten von Fahrzeugen fuhren.

Etwas paradox erschien mir unsere Aktion, wenn der Empfänger in einem teuren und dicken Fahrzeug saß. Aber, auch diese dicken Autos haben ihren Fahrern kein pünktliches Eintreffen zuhause ermöglicht. Somit war die ursprüngliche Absicht erfüllt.

Auch wenn die Freiwilligengruppe «Qatar Volunteers» noch keinen offiziellen Status hat, besitzt sie jedoch eine große Mitgliederzahl. Andere Aktionen sind das Verteilen von Trinkflaschen an Straßenarbeiter, die keinen Sonnen- oder Hitzeschutz besitzen, das Verteilen von warmer Kleidung an Straßenarbeiter im Winter, Blutspendeaktionen und so weiter. Die gestrige Aktion wurde wohlgemerkt alleine von den Freiwilligen selbst finanziert und ohne professionelle Hilfe durchgeführt.

Verglichen mit den Problemen in sehr viel weniger entwickelten Ländern, scheinen diese Gesten auf den ersten Blick eher klein zu sein. Jedoch ist alleine die Existenz einer humanitären Gesellschaft in diesem kleinen jungen Land ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung auf eine Zivilgesellschaft, in der Niemand durch das soziale Raster fällt. Für manche Menschen hier gibt es noch Verbesserungspotential. Ein Beispiel dafür sind manche Straßenarbeiter, die schutzlos der Sonnenhitze ausgesetzt sind und nichts zu trinken bei sich führen [dürfen]. Ich muss an der Stelle aber darauf hinweisen, dass auch der Staat Qatar große Summen Geld für karitative Zwecke ausgibt. Dazu gehören auch zahlreiche klimatisierte Zelte, in denen Jeder  das Fasten kostenlos und in Gesellschaft brechen darf.

Insbesonders wenn die großen Ziele und die Visionen der qatarischen Vordenker irgendwann einmal realisiert sind, kommt es um so mehr auf Grass-Roots Initiativen wie den Iftar Drive und ähnliches an. Genauso wie die Aktion selbst, gefiel mir die große Anzahl unterschiedlicher Nationalitäten, die daran beteiligt waren. Ich hatte den Eindruck der «Vereinten Nationen» der ganz normalen Leute.

The supplies comprised of dozens of large bags and many small bags

More volunteers at the “Toyota-Towers intersection” in Doha, waiting to begin.

One of the volunteers handing a package to drivers at the intersection “Toyota Towers”

Another volunteer

// English

Following the invitation of a friend, I joined a group of volunteers at the annual Iftar charity drive yesterday. The idea is to position many volunteers at two prominent intersections just before Iftar with a huge supply of care packages and hand it out to people who are still out on the street and cannot make it home in time. This applies for some construction workers who have to work in the evening due to the daytime-heat, but also to all the other people who have binding obligations.  The packages contained water, dates, juice and pastries like Maamoul.

Just about an hour before the event, all the packages were divided between the many cars and people that have been involved. Then the teams of usually five people would take their places at the various spots of the intersections. We began to hand out the packages around 6 pm and by 6:30 everything but huge empty bags had gone. Sometimes the recipients would be sitting in luxury cars. While that might have seemed a little odd at first, it was not really wrong. These luxury cars did not help their “poor” owners to be at home with their families and have Iftar. We could have started the entire action a little later, to make sure, that we reach more people that really would not have made it home at all.

I did enjoy to have a completely new experience in Doha. To be honest though, the most rewarding moments of the happening were the smiling joyful faces of the hardest-working, least paid construction workers in their buses without A/C, when I handed them the food. Just any of these happy faces made up for the exhaustion of standing in the middle of a hot, overcrowded and over-poluted intersection. It also helped me realize, that some of the street workers spend whole days in this dangerous and unhealthy environment. Yet I felt, that really everybody was quite thankful about our small gift, regardless of the car, job, age or nationality.

Although “Qatar Volunteers” is not yet officially accredited, it has a few hundred participating members. The activities spread throughout the year. My impression is, that every event aims at creating public awareness of certain conditions in the Country. Really impressive is the fact, that everything was sponsored completely by the volunteers themselves. The existence of a humanitarian society that involves mainly grass-roots activities like this, is a significant sign of hope on Qatar’s self-proclaimed quest of becoming a modern role-model country for others.

What I also liked a lot  about the Iftar drive, was the multi-nationality of the activists. I can’t even remember all the countries that were represented. This is like the UN reenacted by ordinary people like you and me.

find more photos here.

Um heute eine alte Festung bei Abendsonne besichtigen zu können, verzichtete ich auf das allabendliche Iftar-Mahl bei meinen qatarischen Freunden. Es handelt sich um das „Umm Salal Mohammed Fort” im gleichnamigen Ort. Dieses zu finden hat mich einige Mühe gekostet: Einerseits da es keinerlei Beschilderung gibt, andererseits, da das gesamte Gelände weiträumig von Bauzäunen abgesperrt war und das Fort selbst eher einer Ruine glich, deren Überreste inzwischen von einer armen Familie als Unterschlupf zweckentfremdet wurden.

Zu meiner Überraschung liegt das Fort an einer Oase. Es war grün, es duftete nach Gräsern und eine Vielzahl an Vögeln und Insekten war zu hören. In dem Moment hatte ich zum ersten Mal in Qatar das Gefühl des vertrauten Sommers und nicht einfach bedingungslose sengende Hitze und Staub.

Ich habe mich kurz gefragt, warum die Qataris ihre Hauptstadt in Doha, fernab jeder Oasen gegründet haben… Und schnell realisierte ich, dass dort nach Perlen getaucht und Handel getrieben werden konnte. Zwar wachsen in den Oasen häufig Dattelpalmen und auch moderater Getreideanbau ist im Prinzip möglich, jedoch ist die Anzahl an Menschen, die damit versorgt werden kann, sehr begrenzt.

Ich genoss einen traumhaften Sonnenuntergang und versuchte so viel grün in mich aufzusaugen, wie ich konnte. Qatar vs. Landschaftliche Vorurteile:  1:0

Mehr brauch ich dazu an dieser Stelle nicht sagen.Image

Neben dem Fort gibt es in Umm Salal Mohammed außerdem noch die Barzan Türme. Image

 

P.s.: Bei Interesse an höheren Auflösungen einzelner Fotos einfach fragen…!

Gestern Abend durfte ich das Iftar im Kreise der Familie eines qatarischen Freundes erleben. Dazu trafen wir uns in der Familienmedjeles. Die Medjeles ist eine Art Familienwohnzimmer, die aber ein separates Gebäude ist und keinem Wohnhaus direkt angeschlossen ist. Dort gibt es mehrere große Räume, die je nach Funktion unterschiedlich eingerichtet sind. Zum Sitzen und Reden mit vielen Sesseln entlang der Wand. Zum Essen mit einem langen großen Perserteppich auf dem Boden. Und einzig zum Beten während des Ramadan ebenfalls mit Teppichen ausgestattet: in der Regel nur für Maghrib (Gebet nach dem Sonnenuntergang) sowie Isha (Nach Einbruch der Nacht) und Taraweeh (Nachtgebet zwischen Isha und Fajr [Morgengebet vor Sonnenaufgang]). Andere Nutzungen des dritten Raumes sind mir bislang nicht bekannt.

Zusätzlich besitzt diese Medjeles einen Waschraum, eine Küche und einen kleinen Innenhof. Die Ausstattung und Größe variiert stark und hängt vor allem vom Vermögen und Geltungsanspruch der Familie ab. Gemein haben aber alle Medjeles, dass sie ein Ort des Austauschs und der Geselligkeit sind, zu dem gelegentlich auch Freunde eingeladen werden. Die Traditionalisten unter den Qataris nutzen dazu auch gerne große Zelte. Im Sommer klimatisierte, im “Winter” klassische Beduinenzelte aus dicker Wolle. Bei der Elite der Qataris kann die Medjeles dann auch schon mal die Ausmaße eines kleinen Palastes einnehmen.

Zum Ablauf der Mahlzeit selbst kann ich nicht viel schreiben, außer dass von den knapp 35 Anwesenden während des Essens niemand auch nur ein Wort gesprochen hat. Nach einem Tag des Verzichts war der Hunger und Durst vermutlich so groß, dass das Essen andächtig geschah. Ich hebe das hervor, da die Essensrunden in der Vergangenheit zu gewöhnlichen Mahlzeiten mitunter ziemlich gesprächig waren und der Kontrast diesmal sehr groß. Da dies für Alle ein sehr privater Augenblick war, gibt es davon leider kein Foto. Ich überlass das eurer Fantasie. — Ich bin dankbar, auch als Nichtmuslim trotzdem als Gast an der Kultur teilhaben zu können. In manchen Ländern wäre das vielleicht nicht möglich.

Ein Platzhalter für die fehlenden Bilder des Iftar. Eine Hammer Kombination. Vollmundige Datteln mit geröstetem Sesam und vereinzelten Anissamen.

Es gab eine unüberschaubare Auswahl an herzhaften und süßen Gerichten, pflückfrischen und innen fast flüssigen Datteln und einigen Getränken, wie frischer Minzlimonade, Säften und Wasser. Beim anschließenden Beisammensein im “Loungeraum” wurden arabischer Kaffe in kleinen Gläschen und eine eiskalte Süßigkeit, die wie eine etwas übergroße weiche Praline mit leicht flüssigem Kern beschrieben werden kann, gereicht. — Doch trotz des Hungers haben die Qataris wie gewohnt extrem schnell, bzw. kurz gegessen. Alleine da ich das richtige Kauen beim essen bevorzuge, werde ich mich daran wohl nie gewöhnen. Zurück blieb ein Berg von Essen, der allerdings unter den Angestellten verteilt wurde.

Die einzigen Wolken, die heute hier zu sehen waren

Ich werde wohl die Nacht noch davon träumen, und wie so oft auch von kaltem Wetter und Regen. Ja, seid dankbar für den Niederschlag in Europa. Hier in Qatar regnet es durchschnittlich nur an 8 Tagen im Jahr. Und im Sommer ist die hohe Luftfeuchtigkeit von rund 90% nur dazu da, um den Körper noch schneller in den Schweiß zu treiben, zum Regen wird die im Sommer leider nie. Am Abend war es um 22:00 Uhr immer noch 39° C “warm”. Ciao

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