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Wadi

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Ein Wadi (وادي) ist ein trockener Bach oder genauer gesagt ein Regenabflussbett, welches nur nach Regen Wasser führt. Der in Qatar in der Regel nur auf wenige Wintertage konzentrierte Regen, kann von der ausgetrockneten Erde nur schlecht absorbiert werden und fließt somit rasch in den Vertiefungen zu kleinen Flüssen heran. Manche dieser Wadis enden in Oasen, manche münden ins Meer. In Ländern mit Gebirgen kann es fern des Regens auch inmitten von Wüstengebieten zu einer Springflut kommen, die jährlich zahlreiche Menschen das Leben kostet. Da Qatar aber eine sehr flache Topografie aufweist, ist das Risiko beinahe auszuschließen.

In Doha gab es früher Wadis, die über einen längeren Zeitraum im Winter mit Booten befahrbar waren. Heute jedoch sind deren Überreste aber meist zugeschüttet und durch Straßen und Gebäude überbaut. Ein modernes Kanalsystem hat die Funktion der Wadis übernommen.

In einer autofreien Fiktion kann ich mir gut eine Wüstenhafenstadt mit einem Kanalsystem vorstellen, welches neben einer bequemen Transportsystem auch eine das Klima regulierende Wirkung hat. Nicht so umfangreich wie in Venedig, aber doch als landschaftsprägendes Element.

Ein nur bedingt befriedigender Ersatz ist ein Einkaufszentrum in Doha, in dem man mit originalen venezianischen Gondeln Shoppen “fahren” kann, inklusive gewölbtem Himmelszelt und “europäischen” Fassaden. Sollte je ein kostengünstiges und energieeffizienteres Verfahren zur Entsalzung von Meerwasser erfunden werden, will ich auch nicht ausschließen, dass Qatar sich einmal zu einer durch und durch grünen Landschaft verwandelt.

// English

A wadi (وادي) is the arabic name for a valley or dry riverbed, that only contains water after rainfall. Even though the water seldom travels far due to the porous materials, that will absorb it quickly, the water can originate from distant mountains and produce flash-floods. They are responsible for several deaths worldwide. Due to the absence of mountains the risk of flashfloods is significantly lower. Some of the Wadis just end in the middle of the desert, some lead directly into the sea.

In the past, there were a few Wadis in Doha that could be travelled by boats. Traders used this effortless means of transport during the winters. But nowadays, most of the wadis have been filled and replaced by a modern sewer systems.

When I try to picture a more reasonable alternative to the current car traffic-oriented city-planning in Doha, one of the first things that come to mind is a system of channels. It could be filled with sea-water and regulate the climate through evaporation and through the replacement of the heat-absorbing and conserving paved streets. Even though this seems a little utopian now, it is certainly an interesting idea, that draw some inspiration from the wadis.

Today, if you would like to sit in a boat in urban Doha you could either roam the bay in a yacht or head to the shopping-mall Villagio in the southwest of the city. Once you were able to sit in an original venetian gondola and check out the stores while being on the water. Yet the mall remains closed. Rumor has it, that despite the terrible fire-accident that occured there and killed several people, it might reopen its doors to the public at least in some parts soon. Until then, if you want to experience the outdoors, you have to hop on a SUV and drive into the desert or to one of the many beautiful beaches.

Heute werde ich nur eine kurze Empfehlung für eine Ausstellung und den dazugehörigen Webauftritt geben. Anlässlich der olympischen Spiele 2012 zeigt die Qatar Museum Authority den symbiotischen Erfolg der vergangenen Spiele und der darüber berichtenden Medien anhand von diversen Exponaten. Sozusagen als live Exponat werden zusätzlich auf einer Leinwand die aktuellen Spiele übertragen. Das in der Ausstellung Erfahrende kann also direkt am lebenden Objekt überprüft und hinterfragt werden. Großartig!

Es gibt einige interessante historische Hintergründe und Bilder auf der begleitenden Website

 

Um heute eine alte Festung bei Abendsonne besichtigen zu können, verzichtete ich auf das allabendliche Iftar-Mahl bei meinen qatarischen Freunden. Es handelt sich um das „Umm Salal Mohammed Fort” im gleichnamigen Ort. Dieses zu finden hat mich einige Mühe gekostet: Einerseits da es keinerlei Beschilderung gibt, andererseits, da das gesamte Gelände weiträumig von Bauzäunen abgesperrt war und das Fort selbst eher einer Ruine glich, deren Überreste inzwischen von einer armen Familie als Unterschlupf zweckentfremdet wurden.

Zu meiner Überraschung liegt das Fort an einer Oase. Es war grün, es duftete nach Gräsern und eine Vielzahl an Vögeln und Insekten war zu hören. In dem Moment hatte ich zum ersten Mal in Qatar das Gefühl des vertrauten Sommers und nicht einfach bedingungslose sengende Hitze und Staub.

Ich habe mich kurz gefragt, warum die Qataris ihre Hauptstadt in Doha, fernab jeder Oasen gegründet haben… Und schnell realisierte ich, dass dort nach Perlen getaucht und Handel getrieben werden konnte. Zwar wachsen in den Oasen häufig Dattelpalmen und auch moderater Getreideanbau ist im Prinzip möglich, jedoch ist die Anzahl an Menschen, die damit versorgt werden kann, sehr begrenzt.

Ich genoss einen traumhaften Sonnenuntergang und versuchte so viel grün in mich aufzusaugen, wie ich konnte. Qatar vs. Landschaftliche Vorurteile:  1:0

Mehr brauch ich dazu an dieser Stelle nicht sagen.Image

Neben dem Fort gibt es in Umm Salal Mohammed außerdem noch die Barzan Türme. Image

 

P.s.: Bei Interesse an höheren Auflösungen einzelner Fotos einfach fragen…!

Doha gestern und heute.

Die Veränderung der Skyline Dohas innerhalb weniger Jahre.

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Msheireb. Ein neues Viertel entsteht. Auch als Laie erschließt sich mir die stadtplanerische Genialität die möglicherweise in diesem Konzept verborgen liegt. In diesem Stadtviertel das, bis auf ein paar alte Gebäude, vollständig neu gebaut wird, sollen sich die alten Traditionen Qatars mit der urbanen Infrastruktur des 21. Jahrhunderts vereinen. Ganz im Gegensatz zu den unter den Einheimischen heute weit verbreiteten frei stehenden Villen, soll hier eine verschachtelte und der alten Dorfstruktur nachempfundene Bebauung entstehen. Für mich logisch, dass die Meeresbrise bewusst zur Kühlung in das Viertel geleitet wird, auch logisch, dass eine Straßenbahn den Großteil des Nahverkehrs übernehmen werden soll. So weit der Plan in der Theorie. Ich bin skeptisch, ob ein solcher Wurf aus dem Ärmel die hiesige Gesellschaft kulturell verändern wird. Ob das enge Verhältnis zum Auto in einer sinnvollen Nutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel, oder die Abschottung hinter den Wänden der Familienvilla in einer urbanen und kommunikativen Stadtatmosphäre aufgehen wird? Ich habe große Zweifel.

— Auch wenn das Ergebnis ungewiss und der beabsichtigte kulturelle Impuls vielleicht nur kosmetisch wirkt: Der Versuch ist lohnend und angesichts der gegenwärtigen Situation umso beeindruckender.

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— Anfang des 20. Jahrhunderts war Doha eine größere Ansammlung von Lehmhütten die größtenteils von perlentauchenden sesshaft gewordenen Beduinen bewohnt wurden. Heute ist es die Hauptstadt des Staates mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit (kaufkraftbereinigt). Auch wenn ich schon oft Kommentare gehört habe, dass den Qataris nicht viel anderes einfällt, als mit ihrem scheinbar endlosen Öl- und Gasgeld um sich zu schmeißen, gibt es in Qatar einige visionäre Vordenker. Sie stellen Fragen, deren Beantwortung womöglich der Schlüssel zu einer ökonomischen, und kulturellen Selbstständigkeit in der Post-Rohstoffäre sein kann.

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Um euch etwas zu verraten. Der Grund meines Aufenthaltes in Qatar ist nicht, Lösungen für die Herausforderungen zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen.

Damit verabschiede ich mich in eine schwüle Nacht. So weit.

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