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copyright by dohadude, 2012

Wie in sämtlichen Emiraten gibt es auch in Qatar recht selten Graffitis. Und meistens bestehen diese aus flüchtig auf die Wand gesprühten kurzen Sätzen. Auch wenn ich das Strafmaß für diese Form der Gebäudeverschönerung nicht kenne, vermute ich, dass die Angst vor Entdeckung, anspruchsvollere und aufwändigere Graffitis in Qatar effektiv verhindert.

An den großen öffentlichen Plätzen sind praktisch keine Graffitis zu entdecken; man findet diese vornehmlich in kleinen Seitenstraßen an älteren Gebäuden oder Mauern. Ich frage mich, warum diese wichtige zeitgenössische Kunstform ihren Weg noch nicht in das aufstrebende und sich öffnende Land Qatar gefunden hat. Neben der seltenen inoffiziellen Form fehlt die geduldete und geförderte Form von Wandgemälden oder Murals gänzlich. Es wäre eine öffentlichkeitswirksame Methode, um Qatars Bestreben als kleines großes Kunstland etwas volksnäher zu unterstreichen, als es die großen Museumsprojekte wie das qatarische Nationalmuseum vermögen.

Ich werde im Laufe der Zeit weitere seltene Fundstücke hier reinstellen. Aus politischen Gründen, muss ich leider im Moment darauf verzichten, Graffitis mit politisch brisanten Inhalten hier zu zeigen. Wer weiß, vielleicht ändert sich die Situation zur Meinungsfreiheit in Zukunft…

A few example-photos from Abu Dhabi, Dubai, Sharjah and Ras al Khaiman. Missing are Ajman, Al Ain, And Fujairah. Together, these emirates form the United arab emirates with its administration residing in Abu Dhabi.



The artificial and disneyfied version of an arab souq with the backdrop of Burj Al Arab in Dubai


The Burj Khalifa in Dubai, seen from a yet almost undeveloped neighborhood.

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You have probably heard of Ski-Dubai. Gigantic use of electricity in order to produce snow and cool down the facility to mountainous temperatures all just to allow people to ski in the desert.


View on Sharjah’s skyline from Dubai. This emirate sits just north of Dubai and in fact feels like it already belongs to Dubai.


Good times for crane-producers in a new and chic neighborhood of marina island in Abu Dhabi

20120913-111511.jpgPictured above you can see the Sun-Tower and the Sky-Tower. Also on marina Island


A serene evening scene in the northernmost emirate of Ras Al Khaiman.

Doha bei Nacht

Dohas Skyline bei Nacht. Blick von der Uferpromenade aus aufgenommen. Im Vordergrund liegt ein Dhow genanntes traditionelles qatarisches Boot. Man kann es mieten und bei musikalischer Untermalung durch die Bucht gondeln. Manche Menschen rauchen dabei gerne Shisha oder trinken Tee. Die qataris, die etwas von sich halten und die qatarischen Traditionen wertschätzen, besitzen hingegen eine eigene Dhow. Diese werden dann für Angeltouren, zum Baden und für Übernachtungen auf dem Wasser genutzt.

// English

Doha`s Skyline  with a view from the Corniche. You can see one of the traditional boats of qatar. They are called dhow and can be rented in this case. Many qataris own one themselves and love to take it out to the sea to fish, swim and even stay overnight. Due to the heat in summer, this is more common in winter, but a few friends of mine go during these days despite the steamy heat.

Eine der zahlreichen Leckereien nach dem Abendgebet, die gereicht werden wenn die Familie meiner qatarischen Freunde noch zusammen sitzt und über den Tag und die persönlichen Dinge spricht und Tee oder arabischen (grünen) Kaffee trinkt. Die Datteln stammen aus einer der größten Oasen Saudi Arabiens und haben unbeschreiblich gut geschmeckt.

// English

When the evening prayer is finished, my qatari friends sit with their brothers (plus friends like me and others) and enjoy both sweets and sweet tea and arabic coffee (not just because they use arabica beans, but because it is green infused with spices lie green cardamom and almost transparent in the glass). Fortunately they are somewhat healh-concscious and love dates, which are also described as one of the important parts of Ramadan by their Prophet. In this case the dates tasted indescribably tasty. Even though dates usually might not look all that appealing, any patisseur would have to come up with his very best creation to get even close to dates like this taste-wise.

 

Dhow


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Vor kurzem habe ich es endlich geschafft, zu den veränderten Öffnungszeiten das Museum für Islamische Kunst wieder einmal von innen zu besichtigen. Dieser bereits in meinem Artikel vom 30.Juli beschriebene Bau ist von innen nicht weniger beeindruckend als von außen. Persönlich gefällt mir der Innenraum sogar noch besser, da erst von dort die gesamten Dimensionen des hallenartigen (50m hohen) Atriums erfasst werden können. Zusammen mit einem befreundeten Architekt, mit dem ich auf Entdeckungsreise gegangen bin, haben wir uns an den zahlreichen zu entdeckenden Details auch nach über einer guten halben Stunde kaum sattsehen können.


Wo auf den ersten Blick Atrium den Ausstellungen die Show stehlt, sind die Ausstellungsräume selbst schlicht, dunkel und geben den Objekten mithilfe von Spotlichtern die gebührende Inszenierung. Auffallend sind die verbauten Materialien für Decke, Wände, Geländer und Raumteiler. Gefräster Granit, gebürstet Holz, ein nicht genauer definierbares perforiertes kunstharzähnliches Material und das allgegenwärtige Glas der Vitrinen, das durch die Dunkelheit der Räume fast unsichtbar wirkt.

Eine kleine Vogelstatue aus massivem Gold, besetzt mit diversen farbintensiven hochkarätigen Edelsteinen

Wie fast überall in Qatar ist der Innenraum sehr stark klimatisiert, weshalb ein Besuch recht ermüdend ist und ich selten mehr als einen kleinen Ausschnitt der Ausstellungen anschaue. Ein kleiner Geheimtipp, zumindest zur Ramadanzeit ist das kleine Café im Atrium vor dem fünfstöckigen Fenster mit Blick auf die Bucht und speziell die Skyline Dohas. Es gibt dort keinen Shisharauch es ist angenehm ruhig und man findet problemlos einen Parkplatz. Wer je einen Dohabesuch wagt, sollte unbedingt einen Ausflug in dieses Museum einplanen. Es bleibt spannend, was Qatar zukünftig an weiteren sehenswerten Museen aus dem Ärmel zaubert.

 

// English

Despite the Ramadan timing I’ve recently finally managed to visit the Museum of Islamic Art from the inside once again. This building, that I already described in my previous post, is no less impressive from the inside than from outside. Personally I like the interior even better than the exterior. It is only there that you can grasp the overall dimension of the (50m high) atrium that has a dome at the top. Together with a fellow architect, with whom I went this time, we had to make an effort to discover all the little details.

While the entrance attempts to steal the show from the exhibits, once in the exhibition halls, the picture changes. The rooms are simple, dark and give the objects the proper staging using spotlights. I like to remark the the materials used for ceilings, walls, railings and partitions. Carved granite, brushed wood, and an unknown perforated artificial resin-like and sound-absorbing material are accompanied by the very present glass of the display cases, which becomes almost invisible, due to the darkness of the rooms.

Like almost everywhere in Qatar, the interior is air conditioned down to arctic temperatures, which is in contrast to the blistering heat outside. Thus a visit to the MOIA is quite tiring in my opinion and this lets me rarely look at just a small part of the exhibitions in one visit. A good tip, at least during Ramadan is the small cafe in the atrium, which overlooks the bay with a backtrack of Doha`s Skyline. Furthermore there is no smoke from the usual hookahs, it is quiet and you have no trouble to find a parking spot. All not quite the standard in Doha.

If you ever want to visit Doha, I highly recommend you to plan a trip to the Museum of Islamic Art.
See the rest of the photos at the top

Wenn sich Konversationen in der Vergangenheit um Qatar drehten, dann war die Qatar Foundation ziemlich sicher eine der qatarischen Institutionen, die meine Gesprächspartner kannten. Warum? Vielleicht liegt es am historischen Sponsorenvertrag mit dem FC Barcelona, übrigens der erste in der 113 Jahre langen Clubgeschichte. Vielleicht liegt es an dem seit wenigen Jahren ausgeschriebenen WISE Preis für Bildung über gut 400.000 €, oder dem drumherum stattfindenden WISE Gipfel für Exzellenz in der Bildung. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der schieren Größe der Investitionen, die durch die Qatar Foundation bisher getätigt wurden. Zurück zum Anfang, was ist die QF überhaupt?

1995 vom qatarischen Staatschef Sheikh Hamad bin Khalifa Al Thani als halbprivate Stiftung gegründet, strebt QF die Entwicklung der qatarischen Gesellschaft von einer Rohstoff- hin zu einer Wissensgesellschaft an. Insbesondere über Investitionen in eine Bildungs- und Forschungsinfrastruktur. Neben der Ansiedelung von Ablegern einiger, überwiegend US-amerikanischer, Topuniversitäten geht es aber auch um Grundlagenarbeit wie die Erhöhung der Alphabetisierung und  das Bewahren des kulturellen Erbes Qatars.

Zugegeben, das klingt nicht nur ambitioniert, sondern ruft auch so manche Kritiker auf den Plan. Eine schon öfter gehörte Meinung reduziert die Ziele der QF auf medienwirksames philanthropisches Schaulaufen.

Weniger bekannt, aber vermutlich nicht weniger wichtig sind beispielsweise die Zusammenarbeit mit Wikimedia zur Unterstützung einer wachsenden arabischen Wikipedia, eine Initiative zur Ansiedelung einer Solarindustrie in Qatar oder Aufklärungskampagnen über Diabetes (eine stark verbreitete Krankheit in Qatar).

Würde das Fortbestehen der starken Universtitätsgeschichte, die Europa in Jahrhunderten erhielt, durch die kräftige und einseitige Geldspritze eines ressourcenreichen Landes wirklich bedroht? Die Tatsache, dass der Großteil der zunächst hier angesiedelten Universitätsableger aus Nordamerika stammt, kann das nordatlantische Kräfteverhältnis im Bildungssektor tendenziell sogar weiter zu Europas Ungunsten verschieben. Bildungseinrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum kooperieren bislang erst sehr zaghaft in vereinzelten Projekten mit Qatar. Ich halte es daher für überfällig, bei den Trägern in der Heimat für eine Expansion zu plädieren. Auch wenn dies auf den ersten Blick eine Aufgabe der Politik zu sein scheint, könnte ein starker Impuls zur Zusammenarbeit auch von den Einrichtungen selbst, und dort von den Professoren und Studenten ausgehen. Dafür sprechen meine Erfahrungen in internationalen Projekten verschiedener Hochschulen. Die Frage bleibt: unter welchen Umständen gelingt eine Kooperation über den einseitigen Geldfluss von der einen und den einseitigen Ausverkauf des Wissens von der anderen Seite hinaus? Mein Fazit: Durch die Kooperation europäischer Universitäten und Museen mit Qatar werden die Möglichkeiten des länderübergreifenden Erkenntnisgewinns nicht nur auf akademischen Niveau erweitert; diese Kooperationen können auch zu einem interkulturellen Dialog führen und die gegenseitig existierenden Vorurteile abbauen.

Trotz der heutigen Aktivitäten ist es ein formuliertes Ziel, dass Qatar sich irgendwann in der Zukunft aus eigener Kraft und mit heimischen Fachkräften, international angesehene Bildungs- und Forschungseinrichtungen schafft. Bis dahin wird jedenfalls noch viel Wasser aus dem persischen Golf verdunsten. …

Äußerlich sichtbar sind die Aktivitäten der QF vor allem an den zahlreichen Bauwerken der sogenannten Education City. Für architektonisch erwähnenswert halte ich neben den erwähnten Universitäten insbesondere das Technologiezentrum (QSTP), Das Kongresszentrum (QNCC), das Sidra Medizin- und Forschungszentrum (SMRC) und das Al Shaqab Reitzentrum (ASEC). In ihrer respektiven Domäne handelt es sich bereits architektonisch um Weltklasseeinrichtungen. Es würde mich nicht wundern, wenn die inneren Qualitäten ebenfalls herausragend sind oder im Fall vom noch nicht eröffneten Sidra noch werden.

Das ist erst der Anfang. Das größte im Bau befindliche Projekt der Qatar Foundation ist derweil Msheireb. Ein Stadtviertel am historischen Ortskern Dohas. Weitere Informationen dazu finden sich in meinem älteren Artikel.

Derweil ist die Qatar Foundation nicht nur einer der größten Investoren in Qatar, sondern auch einer der attraktivsten Arbeitgeber Qatars, der keinen direkten Bezug zur Öl- oder Gaswirtschaft hat. Für weitere Infos auf Englisch könnt ihr ebenfalls die Website besuchen.

Als Schlussgedanken möchte ich das Potential einer Zusammenarbeit mit der QF für Deutschland skizzieren. Heutzutage konzentriert sich der Gewinn Deutschlands überwiegend auf den Export von Kfz, Anlagen, und Maschinen und zahlreiche deutsche Firmen sind im Anlagenbau und der Bauwirtschaft tätig. Das auswärtige Amt benennt für die Importe ein Außenhandelsüberschuss von gut 1,1 Mrd. € (2010).
Dieser könnte sich mit dem geplanten U-Bahnsystem in Doha, einer aufkeimenden Solarindustrie und den weiteren geplanten Bauvorhaben für die Fußballweltmeisterschaft 2022 nochmals drastisch vergrößern.

Sollte Qatar der Bau einer Gaspipeline nach Europa gelingen (was erst nach Beenden der Umwälzungen in Syrien möglich sein dürfte), wird das Ungleichgewicht nochmals explodieren. [Als Randnotiz: dies ist eine mögliche Erklärung für Russlands andauernde Unterstützung des syrischen Regimes.]

Im Gegensatz zum Export technischer Güter, ließe sich auch deutsche Kultur nach Qatar bringen. In Form von Brötchen, Brot und alkoholfreiem Bier. Obwohl…, das Bier, welches sich hier vornehm Malzgetränk nennt, gibt es ja bereits. Bleiben also die Backwaren. Da die deutsche Bevölkerung in Qatar allerdings recht überschaubar ist, bliebe ein Erfolg von Roggenbrötchen und Sauerteigbrot ungewiss…

Bowling und Klimaanlage – Bowling and A/C //

 

Einkaufen und Eislaufen – Shopping and skating //

 

Ruinen und Kolonialrequisiten – Ruins and requisites //

 

Fastfood und Lieferservice – Fast-food and free delivery //

 

Fasten und Festmahl – Fasting and feast //

 

Parkplätze und Pkw – Parking and Cars

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Bei der Entdeckung der oben gezeigten Keramikfliesen fühlte ich mich ein wenig nach Jerez de la Frontera oder Granada in Andalusien erinnert. Die dortigen Beispiele orientalischer Ornamentik sind bisweilen an Kunstfertigkeit nur schwer zu übertreffen. Jedoch gefiel mir der verspielte Stil dieser handbemalten Kacheln hier in Doha. Besonders beim zweiten Bild habe ich den Eindruck, dass abstrakte beinahe zeitgenössische zeichnerische Darstellungen von Naturelementen zum Einsatz kamen. Die Fassade erhält so ein harmonisches, konsequentes und doch interessant verspieltes Gesamtbild.

In Erinnerung an meine Reflektionen über die Kunst und das arabische Geld kann ich auch hier erfreut feststellen, dass Kunst, Architektur und Geld sich nicht zwangsläufig in die Geschmacklosigkeit oder gar Beliebigkeit vereinen.


English summary

The pictured ceramic tiles instantly reminded me of my visit to the andalusian cities Jerez de la Frontera and Granada with its marvelous palace  La Alhambra. Even though the many examples of tiles there seem to be unparalleled in craftsmanship and beauty, i did really like the playfulness in this find in Doha. Of course, there was a lot of money involved, back then in the south of spain, and now on the arabian peninsula.

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Eine Fotoserie, die ich vor kurzem begonnen habe, handelt von den in Qatar stehenden Moscheen. Dabei möchte ich nicht nur die beeindruckendsten oder größten Beispiele aufführen, sondern einen möglichst vollständigen Überblick über die verschiedenen architektonischen Stile schaffen.

Jedoch beginne ich die Serie mit zwei Extremen und einer eher normalen Moschee. Die erste fand ich in einem eher armen Dorf nördlich von Doha in welchem mir keine Qataris begegneten. Die Zweite befindet sich Inder weiteren Nachbarschaft meiner Wohnung, die dritte ist die Imam Muhammad Ibn Abdul Wahhab Masjid. Es ist die größte und wahrscheinlich auch prunkvollste Moschee und bietet bis zu 10,000 Gläubigen Platz.

Allerdings ist es wichtig zu bemerken, dass die Größe der Moschee für Muslime keine Auswirkung auf die  Wichtigkeit oder Wertigkeit der Gebete hat, entscheidend ist das Gebetsritual selbst, dass sogar draußen, möglichst auf einem Gebetsteppich vollzogen wird. Die Gebete zum Eidfest, am Ende des Ramadans werden sogar traditionell bis heute noch draußen vollzogen. Für die nicht arabisch sprechenden: Moschee auf arabisch heißt „masjid”

English summary:

I recently started a photographic series about the mosques of Qatar. I will not just focus on the extremes, in terms of size, richness or photographic attraction. I want to create an overview about all architectural styles in the Country.

Nevertheless I will begin with the biggest mosque in the country (The Muhammad Ibn Abdul Wahhab Masjid), one of the smallest I have seen so far and the average neighborhood mosque. It is not that common though, to find two minarets. Most mosques just have one. For the non arabic speakers: masjid means mosque. The Muhammad Ibn Wahhab Mosque offers room for up to 10.000 people.

Das „Museum Of Islamic Art” in Doha ist ein beeindruckendes Gebäude des Stararchitekten I.M. Pei. Nach umfangreichem Studium  islamischer Architektur weltweit, hat er mit diesem Gebäude eine Landschaftsikone für Qatar geschaffen. Die exklusive nicht verbaubare Lage auf einer extra dafür geschaffenen Insel bringt die verschachtelte und doch klare Formensprache gut zur Geltung. Aufgrund des Ramadan habe ich es bis heute nicht geschafft, neue Bilder des Innenraums anzufertigen, jedoch möchte ich euch mit diesen beiden Bildern einen kleinen Vorgeschmack darauf geben.

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Um heute eine alte Festung bei Abendsonne besichtigen zu können, verzichtete ich auf das allabendliche Iftar-Mahl bei meinen qatarischen Freunden. Es handelt sich um das „Umm Salal Mohammed Fort” im gleichnamigen Ort. Dieses zu finden hat mich einige Mühe gekostet: Einerseits da es keinerlei Beschilderung gibt, andererseits, da das gesamte Gelände weiträumig von Bauzäunen abgesperrt war und das Fort selbst eher einer Ruine glich, deren Überreste inzwischen von einer armen Familie als Unterschlupf zweckentfremdet wurden.

Zu meiner Überraschung liegt das Fort an einer Oase. Es war grün, es duftete nach Gräsern und eine Vielzahl an Vögeln und Insekten war zu hören. In dem Moment hatte ich zum ersten Mal in Qatar das Gefühl des vertrauten Sommers und nicht einfach bedingungslose sengende Hitze und Staub.

Ich habe mich kurz gefragt, warum die Qataris ihre Hauptstadt in Doha, fernab jeder Oasen gegründet haben… Und schnell realisierte ich, dass dort nach Perlen getaucht und Handel getrieben werden konnte. Zwar wachsen in den Oasen häufig Dattelpalmen und auch moderater Getreideanbau ist im Prinzip möglich, jedoch ist die Anzahl an Menschen, die damit versorgt werden kann, sehr begrenzt.

Ich genoss einen traumhaften Sonnenuntergang und versuchte so viel grün in mich aufzusaugen, wie ich konnte. Qatar vs. Landschaftliche Vorurteile:  1:0

Mehr brauch ich dazu an dieser Stelle nicht sagen.Image

Neben dem Fort gibt es in Umm Salal Mohammed außerdem noch die Barzan Türme. Image

 

P.s.: Bei Interesse an höheren Auflösungen einzelner Fotos einfach fragen…!

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Lebensmittel sind in Qatar ähnlich billig wie in Deutschland. Diese Tatsache wird von einem besonders findigen Supermarkt dadurch untermauert, dass er sich übersetzt „gewinnmargenfreie Lebensmittel” nennt. Ich frage mich ernsthaft, wie das möglich sein soll. Einen Anreiz zum dortigen Einkauf hatte ich bisher nicht, da sich 200 m davon eine große Filiale von Almeera befindet. Almeera ist die einzige große einheimische Supermarktkette. An Ihr ist der Staat Qatar mit rund einem viertel der Anteile beteiligt. Im Almeera gibt es überwiegend arabische Lebensmittel.

Wieder entdeckte ich eine Hinweistafel des Handelsministeriums mit der charmanten Cartoonfigur, die nach eigenen Aussagen einem Freund in Deutschland ganz ähnlich sieht.

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Es ist keine Überraschung, dass auch hierzulande der Gigant Carrefour einige große Hypermärkte betreibt. Dort bekommt man neben Roquefort auch frischen Traubensaft aus Chardonnaytrauben und deutschen Räucherfisch. ja ja. Ganz schön dekadent. Abgesehen davon habe ich jetzt schon mehrfach den Eindruck gehabt, dass dort asiatische „Damen”, versuchen Kontakt mit einem aufzunehmen… ts ts ts.

Allerdings konnte ich keine Zartbitterschokolade finden, um für das heutige Iftar eine authentische hausgemachte Mousse au chocolat mitzubringen. Stattdessen wird es eine für meinen Geschmack viel zu süße Vollmilchmousse geben. Das Beweisfoto anbei.

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Die Fassade der goldenen Moschee ist fast vollständig mit vergoldetem Glasmosaik bedeckt.

Der kultur- und bei uns als museumsfrei bekannte Montag zwang mich gestern zur Nutzung freier Zeit. Auf dem Weg zum Iftar machte ich einen kleinen Umweg zu Katara. Der Beiname „The valley of cultures” verrät seine Funktion. Es handelt sich um eine dichte Ansammlung von Bildungseinrichtungen der bildenden-visuellen und darstellenden Kunst, Kinematographie sowie Musik umgeben von einer Oper, einer Schauspielbühne und einem zentralen griechischen Amphitheater. Daneben haben sich mehrere gemeinnützige Organisationen wie das Kinderkulturzentrum und außerdem ein Radiosender angesiedelt.

Zum befriedigen der kulinarischen Kulturlust gibt es eine verfeinerte Auswahl an Erlebnisgastronomie aus verschiedenen Ländern. Und zur Überraschung einmal kein Fast Food.

Das ganze wurde architektonisch geschickt in verwinkelten und schattenspendenen Gassen rings um das eindrucksvolle Amphitheater, welches sich zum Meer hin öffnet, angeordnet. Neben diesem erzeugen einige markante Gebäude wie die Katara Moschee und die „Goldene Moschee” oder mehrere Taubentürme aus Lehm ein ziemlich einzigartiges Flair. Zugegeben, aufgrund der frühen Stunde und des Ramadans, weshalb ich beinahe der einzige Besucher war, wirkte die Anlage noch ein wenig steril und erinnerte leicht an einen Vergnügungspark. Statt das ganze zu klimatisieren standen einige mehrsitzige Golfcarts samt Fahrer bereit, mich mich kostenlos durch die ganze Anlage zu führen. Bei über 43°C im Schatten gegen 17 Uhr war ich ganz dankbar dafür.

Beim Klangtest im Zentrum des Amphitheaters, bei dem selbst das leiseste Flüstern erwartungsgemäß glasklar von den Sitzrängen zurückschalte fühlte ich mich augenblicklich an eine Schulfahrt nach Griechenland und das Amphitheater von Epidauros zurückversetzt.

Amphietheater Katara

Das Amphietheater in Katara kurz vor Sonnenuntergang.

Das alles klingt nach einem geballten kulturellen Zentrum, ist aber im Vergleich zum Nachholbedarf  und Entwicklungspotenzial Qatars eher ein Tropfen auf dem heißen Wüstensand. Die weitere Entwicklung der nationalen Kulturszene vorausgesetzt, könnte sich dieser Tropfen aber schon bald zu einem Teich oder gar See entwickeln. Zumal sich zwei Drittel des Gesamtgeländes Kataras noch in der Bauphase befinden.

Schon oft habe ich die Kritik gehört, dass die Araber vermutlich denken, Sie könnten alles mit Geld kaufen. Ja, alles was man für Geld kaufen kann, können Sie sich tatsächlich kaufen. Und das konnten die Römer, Babylonier oder chinesischen Kaiser und auch andere vermögende Völker und Herrscher zu Ihrer Zeit. Ich finde nichts verwerflich daran, den Geltungsanspruch einer Nation in großartigen und auch teuren Bauwerken zu formulieren. Das Kolloseum in Rom, Versailles, das Taj Mahal oder gar Neuschwanstein sind Beispiele für solche, dem Überfluss entsprungene Bauwerke. Wenn diese, wie im Falle Kataras der Bevölkerung auch noch einen Sinn stiften, umso besser.

Dort wo jedoch allein die Größe oder Höhe und nicht Sinn und Funktion eines Bauwerkes Grundlage der Diskussion ist, habe ich meine Zweifel an der Nachhaltigkeit der Architektur für eine Gesellschaft.

Um beim französischen Beispiel zu bleiben, erlaube ich mir daran zu erinnern, dass ein Großteil der dort ausgestellten Kunstwerke Auftragsarbeiten reicher Kunstliebhaber sind. Mein Fazit: Wenn wir die Angst vor dem Identitätsverlust der europäischen Kunst- und Kulturszene ablegen, könnte auch die heimische Kultur von der Entwicklung und den finanziellen Möglichkeiten am persischen Golf nachhaltig profitieren.

Taubenhaus aus Lehm

Doha gestern und heute.

Die Veränderung der Skyline Dohas innerhalb weniger Jahre.

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Ramadan in Doha

An example of the mosaics you can find often in Qatar.

Die letzten beiden Tage waren arm an Unternehmungen. Ich habe einem Freund geholfen, seinen Hausflur mit Laminat auszulegen. Als Nichtprofis haben wir wahrscheinlich einige Male mehr Zeit gebraucht, als Profis gebraucht hätten, dafür ist es aber präzise und ordentlich geworden. Wer noch nie probieren durfte, einen vielfach verwinkelten und türreichen Raum mit Laminat auszustatten, sollte das einmal probieren. Ich finde das ist eine großartige Art und Weise zu Meditieren oder sich zumindest in Geduld zu üben. Nach zwei Dritteln, wenn die einfache Seite bereits geschafft ist und die Türrahmen, Treppengeländer und so weiter anstehen und spätestens, wenn die scheinbar clever angefertigten Schablonen aus Pappe manchmal doch nicht helfen. Spätestens dann zeigt sich, ob man zur Geduld fähig ist und in sich ruht. Ganz nebenbei darf man sich gefühlte tausend mal bücken zum Verlegen und aufstehen zum Zuschneiden, das trainiert Bauch, Beine, Po und Rücken. Also eigentlich die ideale Freizeitbeschäftigung (-;

Das Laminat stammt tatsächlich aus Deutschland, die Geräte waren japanische, die Trittschallisolierung und das Stemmeisen aus Saudi Arabien. Irgendwann zwischen Stichsäge und Fuchsschwanz realisierte ich, dass Qatar so gut wie nichts außer Lebensmitteln, Erdölderivaten, Flüssiggas und Aluminiumrohlingen produziert. Letzteres übrigens im größten Aluminiumschmelzofen der Welt. Zwar hat Qatar keinen Bauxit (Der Rohstoff aus dem Aluminium gewonnen wird), aber extrem viel billigen Strom aus Gaskraftwerken.

Ich merke ich drifte ab — Ich werde die nächste Woche überraschend ohne meinen Gastgeber verbringen. Er fliegt heute ins Ausland, um einen unserer gemeinsam Freunde im Krankenhaus Gesellschaft beim Ramadan zu leisten, da dieser kurz vor seiner Rückreise nach Qatar spontan erkrankt ist und sogar operiert werden musste.

Statt euch weiter meine körperliche Erschöpfung in Form sinnlosen Schreibens weiterzugeben, teile ich einfach noch zwei Fotos ;-). Ab Heute ist dann Ramadan. Ich bleibe gespannt.

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Zwei indische Desserts: „Kesari Bath” und „Gulab Jamoon” Die gefühlt pro 100g Menge Dessert 200g Zucker und weitere hundert Gramm Fett enthalten. Wie das gehen soll? Ich habe keinen blassen Schimmer. Jedenfalls habe ich nach dem Verzehr Angst bekommen, augenblicklich an Diabetes zu erkranken. Die schaumige Flüssigkeit ist beidesmal indischer Gewürztee, der nach den Desserts ziemlich bitter herb schmeckte.

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Das Sheraton Hotel. Das könnte auch eine Requisite aus einem der alten Star Wars Filme sein, stammt aber aus den Siebziger Jahren. Zu der Zeit war ringsherum nichts als Wüstenboden. Die Bilder dazu werde ich organisieren und dann hochladen.

Burj Qatar

Eines der Wahrzeichen der Stadt. Ein beeindruckender, hässlicher, aluminiumverkleideter Wolkenkratzer mit zweideutiger Form.

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Msheireb. Ein neues Viertel entsteht. Auch als Laie erschließt sich mir die stadtplanerische Genialität die möglicherweise in diesem Konzept verborgen liegt. In diesem Stadtviertel das, bis auf ein paar alte Gebäude, vollständig neu gebaut wird, sollen sich die alten Traditionen Qatars mit der urbanen Infrastruktur des 21. Jahrhunderts vereinen. Ganz im Gegensatz zu den unter den Einheimischen heute weit verbreiteten frei stehenden Villen, soll hier eine verschachtelte und der alten Dorfstruktur nachempfundene Bebauung entstehen. Für mich logisch, dass die Meeresbrise bewusst zur Kühlung in das Viertel geleitet wird, auch logisch, dass eine Straßenbahn den Großteil des Nahverkehrs übernehmen werden soll. So weit der Plan in der Theorie. Ich bin skeptisch, ob ein solcher Wurf aus dem Ärmel die hiesige Gesellschaft kulturell verändern wird. Ob das enge Verhältnis zum Auto in einer sinnvollen Nutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel, oder die Abschottung hinter den Wänden der Familienvilla in einer urbanen und kommunikativen Stadtatmosphäre aufgehen wird? Ich habe große Zweifel.

— Auch wenn das Ergebnis ungewiss und der beabsichtigte kulturelle Impuls vielleicht nur kosmetisch wirkt: Der Versuch ist lohnend und angesichts der gegenwärtigen Situation umso beeindruckender.

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— Anfang des 20. Jahrhunderts war Doha eine größere Ansammlung von Lehmhütten die größtenteils von perlentauchenden sesshaft gewordenen Beduinen bewohnt wurden. Heute ist es die Hauptstadt des Staates mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit (kaufkraftbereinigt). Auch wenn ich schon oft Kommentare gehört habe, dass den Qataris nicht viel anderes einfällt, als mit ihrem scheinbar endlosen Öl- und Gasgeld um sich zu schmeißen, gibt es in Qatar einige visionäre Vordenker. Sie stellen Fragen, deren Beantwortung womöglich der Schlüssel zu einer ökonomischen, und kulturellen Selbstständigkeit in der Post-Rohstoffäre sein kann.

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Um euch etwas zu verraten. Der Grund meines Aufenthaltes in Qatar ist nicht, Lösungen für die Herausforderungen zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen.

Damit verabschiede ich mich in eine schwüle Nacht. So weit.

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