Archives for the day of: 14/07/2012

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Zugegeben, über Geschmack lässt es sich vortrefflich streiten, aber ich bin nach vier Tagen in Qatar an einem Punkt, an dem ich mich frage, wie manche Menschen hier ihren Geschmack entwickelt haben. Und doch überwiegt dabei deutlich die Neugierde. Ein Bereich in dem auch die Zentraleuropäer geschmacklich leidenschaftlich gerne polarisieren, ist das Auto. Auch wenn mich Autos persönlich bislang wenig interessiert haben, komme ich nicht umher, täglich für mich absurde, dekadente, riesige Autos zu entdecken die alle gemeinsam haben, dass Sie für meine bisherigen Verhältnisse richtig teuer sind. Gerne bediene ich das Vorurteil, dass die reichen Araber nichts anderes machen als dicke Autos zu fahren. Die Realität ist, dass hier Alle dicke Autos fahren, wenn Sie sich dies leisten können, auch die Europäer. Das liegt am Benzinpreis von 12ct./Liter und auch an den verschwindend geringen Steuern auf alles (Mit Ausnahme der Einkommen, denn die sind steuerfrei). Aber ich schweife vom Geschmack ab.

Ich habe den Eindruck, dass die Jugendlichen möglichst auffällige (amerikanische) Autos fahren, wohingegen die wirklich reichen Leute sich in Qatar vor allem auf den obligatorischen Landcruiser für schweres Gelände und schweren Feierabendverkehr verlassen. — Für die entspannte Stadtfahrt am Wochenende greifen sie dann gerne auf Fahrzeuge aus Bayern und Baden Württemberg zurück.

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Spannend wird die Geschmacksfrage für mich aber erst bei Lebensmitteln. Denn die schmecken wir eben mit all unseren Sinnen (Nein, das ungegerbte und so charakteristisch riechende Leder unter dem Porschefahrersitz zählt nicht). Die Küche meiner derzeitigen Unterkunft wird im Prinzip von drei Nationalitäten genutzt. Indien, Schottland und Deutschland. Versucht einmal anhand der folgenden Bilder herauszufinden, welches Fach wem gehört! Der Kühlschrank ist entsprechend sehr ähnlich gefüllt.

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das Fach auf dem Foto unten ist doppelt so groß, weil es von zwei Personen einer Nationalität genutzt wird.

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Es ist natürlich Unfug, hieraus eine Verallgemeinerung für die jeweiligen Länder abzuleiten, aber es ist so verführerisch sich dem Stereotyp hinzugeben. Ich überlasse den Rest eurer Fantasie…

Oha, mir fällt auf, dass ich bisher fast nur über das Essen und die Hitze schreibe. In dem Sinne schicke ich euch allen eine große Portion Sommerhitze und wünsche mir richtiges Brot und eine kühle Brise am Abend von euch!

Sauna öffentlich

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Wie die meisten von euch wissen, essen manche Menschen ohne Besteck und benutzen stattdessen Ihre Hände. Die muslimischen Araber und insbesondere alle Golfanrainer benutzen aber lediglich die rechte Hand. Die linke Hand gilt als unrein. Wenn ich überlege, dass Toilettenpapier zumindest hier in Qatar nicht so beliebt ist…, dann kann ich das verstehen. Es gibt hier die identischen Wasserbrausen am Klo, wie in Finnland. Jedoch gibt es in Finnland noch die Kombination aus Papier und Brause.

Heute hatte ich jedoch die große Ehre zu einem exzellenten iranischen Restaurant zu gehen wo, wer hätte das gedacht, auch mit den Händen (der rechten Hand) gegessen wird.Es heißt El Dehleez Restaurant. Es gab “laham arabi ma3 mandhi”. Lamm auf Reis mit Sauce und mutierten Riesenrucolablättern die mit einer halben Zwiebel und drei Vierteln einer Zitrone garniert wurden. Das ganze wird auf einer Wegwerf”Tisch”decke angerichtet. Auf den ersten Blick spartanisch, aber lecker. Liebe Vegetarier, sorry! Aber das Fleisch war so zart, wie man es sich nur schwer vorstellen kann. Es fiel quasi beinahe selbsttätig vom Knochen. Allerdings wäre die Benutzung einer Gabel deutlich weniger lust- und Genussvoll gewesen als meine rechte Hand. Probiert mal aus, mit eurer Hand zu essen. Es lohnt sich. Überdies machen uns das unsere 1-3 Jährigen Zeitgenossen schon so schön vor.

Der Rhythmus ist das Gewönungsbedürftigste für mich in Doha. Vorhin, um 1:20 haben wir dann unser spätes Abendessen eingenommen. Eine extrem dünne Schawarmarolle. Wie aus 1001 Nacht. Nach geheimnisvollen Gewürzen und Kräutern duftend. Es wundert mich, dass das öffentliche Leben sich nicht vollständig in die kühleren Nachstunden verlagert. Allerdings sind durchaus viele der zahlreichen Baustellen tagsüber inaktiv. Nach Sonnenuntergang ertönt wieder das dann gespenstige Klopfen, Klingen und Hämmern eines wahren Heeres an Gastarbeitern aus den ärnsten asiatischen Ländern.

Gute Nacht und träumt schön von exotischen Speisen und Getränken.

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