Der erste Gang heute Morgen führte mich auf unsere Dachterasse. Die knapp 10 Minuten haben sich wie eine milde und trockene Sauna angefühlt, wohingegen meine Ankunft gestern sich noch wie eine Biosauna anfühlte, allerdings mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wie erwartet habe ich von oben kein Leben auf der Straße wahrgenommen. Und doch hat es sich gut angefühlt, nach den Wochen des Spätwinterwetters in Hamburg richtig gut durchgewärmt zu werden.

Was machen aber die anderen Einwohner, um mit der großen Wärme umzugehen? Alle Bau-, Straßen- oder Gartenarbeiter tragen einen Beduinenartige Kopfbedeckung und scheinen dadurch einigermaßen über die Runden zu kommen.

Die Inder trinken einen, Karak genannten, süßen, starken und ziemlich heißen Schwarztee mit Milch (den auch viele Qataris lieben). Und er hilft tatsächlich, auch wenn ich erstmal noch mehr schwitze. Außerdem essen diese, wie allseits bekannt auch hier höllisch scharfes Essen.

Die Qataris tragen lange Baumwollunterhosen unter “Thobe” genannten weißen langen Gewändern und Kopftuch. Die Frauen übrigens in Schwarz. „Warum das?” fragte ich verwundert. „Weil der schwarze Stoff noch dünner sein kann, ohne transparent zu werden” war die Antwort. Aha.

Inklusive der restlichen Leute halten sich aber alle, die es sich erlauben können, bevorzugt in klimatisierten Autos, Häusern oder Einkaufszentren auf. In den Malls kann man auch im Sommer sportlich aktiv herumlaufen, um die verbrannten Kalorien wieder mit allerlei ungesunden Zuckerwaren aufzufüllen. Ich habe den Eindruck, dass das Bruttoinlandsprodukt in Qatar zwar Konsumententräume wahr werden lässt, jedoch das Bewusstsein, wofür das Geld ausgegeben wird, bei einer Mehrheit der Einheimischen nicht sehr ausgeprägt ist. Also fast wie in Deutschland. Der Unterschied zu Europa ist, dass hier viele Menschen zusätzlich zum üppigen Geld auch verdammt viel Freizeit haben. Mein Eindruck ist, dass es keine Normalgewichtigen Qataris gibt. Entweder sind sie sehr schlank, oder sehr dick. Entsteht dieser Eindruck womöglich durch den Kleidungsstil?

Einige der Fragen, die mich überhaupt nach Qatar gebracht haben: welche Impulse könnten die Antriebslosigkeit und Komsumlust der jungen qatarischen Generation wandeln? Unter welchen Bedingungen kann sich die Identität der qatarischen Gesellschaft im eigenen Land neu erfinden? Und, was macht Qatar abgesehen vom Erdgasreichtum und einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt aus? Jedoch werde ich darauf bei anderer Gelegenheit tiefer eingehen.

Zum Abschluss dieses ungeplanten Blogeintrags schicke ich euch den Beweis, dass deutsches Bier auch bei den Arabern weit vorne mitmischt ;-). “ein Gruß in die Heimat”.

So long. Bis bald.

Holstenbier arabisch